Konzept

PÄDAGOGISCHE STRUKTUR 

KONZEPT DER GANZHEITLICHEN KOMPETENZFÖREDUNG

Vorrangiges Ziel unseres Kindergartens ist es, die Kinder während des dreijährigen Kindergartenbesuchs mit der deutschen Sprache vertraut zu machen und sie so auf die Einschulung in die Grundschule der Deutschen Schule zu Porto vorzubereiten.

Zum pädagogischen Ansatz und zur ganzheitlichen Förderung der Kinder in unserem Kindergarten werden aber folgende Einsichten nicht außer Acht gelassen:

  • Bei der Entwicklung eines jeden einzelnen Kindes spielt der interaktionistische Standpunkt, d.h. die wechselseitige Beeinflussung von Vererbung und Umwelt, eine wichtige Rolle. Die Vererbung setzt der Entwicklung potentielle Grenzen, aber die Umwelt ist für den Grad der Annäherung an diese Grenzen ausschlaggebend.
  • Für die Entwicklung, insbesondere der Lernfähigkeit, sind der personale Bezug von Lernenden und Lehrenden und das Verhältnis zur lernenden Gruppe entscheidend.
  • Die angeborene Befähigung, die Anlage zu besonderen Fähigkeiten, ist nicht statisch angelegt, sondern entwicklungsfähig. Diese Entwicklung der Begabung ist von vielen Faktoren abhängig, vor allem benötigt sie Motivation und individuelle Eigenzeit.
  • Dass dementsprechend Begabungen und daraus resultierende Fähigkeiten für Lernprozesse weder einfach vorausgesetzt werden können noch nach ihnen voreilig selektiert werden sollten, erst recht nicht durch punktuelles Abfragen, wird vom Erzieher in der Praxis berücksichtigt.
  • Lernen ist ein aktiver Prozess, durch den sich der Mensch in seiner Lebenswelt orientiert und diese gestalten will. Dieser Gestaltungsdrang ist ein wesentlicher Motor seiner Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit.
  • Für die Motivation jedes Einzelnen sind u.a. freie Gestaltungsräume, handlungsorientierte Lernarrangements und die Darstellungsmöglichkeit der eigenen Leistung wesentliche Elemente.

Bei unserem Konzept der ganzheitlichen Förderung ist aber zu bedenken und zu berücksichtigen, dass der Entwicklungsprozess komplex ist und deshalb die Punkte nicht isoliert betrachtet werden dürfen und sich unter anderem auf die geschlechts- und altersheterogene Mischung der Gruppen in unserem Kindergarten beziehen.

Um das mögliche Optimum zu erreichen, bedarf es auch einer engen Zusammenarbeit mit den Eltern und einer soliden Vertrauensbasis zwischen Kindergarten und Elternhaus.

 

 

Erweiterung der Kindergartenkonzeption des Kindergartens der Deutschen Schule zu Porto

Die bereits seit 1994 bestehende Konzeption der Ganzheitlichen Kompetenzförderung wurde ab dem Schuljahr 2018- 2019 durch die Öffnung der Kindergartengruppen zwei Mal pro Monat erweitert,  da sowohl die Vorteile geschlossener Gruppen bzw. Stammgruppen als auch das Potenzial offener Arbeit genutzt werden.

Um zum Schuljahresbeginn eine gelungene Neustrukturierung  unserer alters- und geschlechtsheterogenen Gruppen sowie die Eingewöhnung der neuen Teammitglieder zu gewährleisten und ausreichend Zeit für die Entwicklung zwischenmenschlicher Bindungen und Beziehungen innerhalb der Stammgruppe zu gewähren, wird die Öffnung der Gruppen immer ab Januar im jeweiligen Kindergartenjahr stattfinden. Dem höheren Bedürfnisanspruch der 3-jährigen Kinder nach Überschaubarkeit, Geborgenheit und Sicherheit wird somit Rechnung getragen und den Bindungsbedürfnissen dieser Altersgruppe entsprochen.

Durch die Teilöffnung wird den Kindern ein noch größerer Entwicklungsraum geboten, die Kinder sollen die Möglichkeit haben,

  • alle anderen Kindergartengruppen und Funktionsräume kennenzulernen
  • alle pädagogischen Fach- und Hilfskräfte kennenzulernen
  • alle anderen Kindergartenkinder kennenzulernen
  • mehr Wahlmöglichkeiten bezüglich Freundschaften zu bekommen
  • Freundschaften außerhalb der Stammgruppe zu schließen
  • mit Geschwistern, die in anderen Gruppen sind, etwas zu unternehmen
  • leichter Spielkameraden mit gleichen Spielinteressen zu finden
  • nach ihren Bedürfnissen wählen zu können an welcher Aktivität sie teilnehmen
  • ihren Interessen und Wünschen nachgehen zu können
  • noch mehr Angebots- und Projektauswahl zu haben
  • selbstbestimmter, eigenverantwortlicher und selbständiger agieren zu können
  • besser eigene Stärken zu erkennen
  • mehr Bewusstsein des Selbstbildes zu entwickeln
  • erweiterte Spielmöglichkeiten zu erfahren

Das Kind als eigenständige Persönlichkeit hat unterschiedliche Entwicklungsbedürfnisse und Interessen. Diese werden von den Erzieher*innen wahrgenommen und akzeptiert, die Angebote sind demnach bedürfnisorientiert, partizipativ und situativ konzipiert. Die Partizipation der Kinder an der Planung der Aktivitäten sowie die Mitgestaltung und Mitbestimmung der Aktivitäten selbst und die Erarbeitung der Regeln sind wichtige Aspekte, denen höchste Bedeutung gebührt, damit die offene Arbeit gelingt.

Mit dieser institutionellen Öffnung ist auch eine sozialökologische Weitung des Aktionsraumes der Kinder verbunden, so dass sie auch außerhalb des Kindergartens eigenständig explorieren und somit lebensnahe Erfahrungen machen können.

Neben der Öffnung des Kindergartens für die Kinder öffnet sich der Kindergarten auch für die Erzieher*innen:

Die Herausforderung, sich neuen Praxisfragen und Problemen zu stellen, verbessert die pädagogische Arbeit, da sie die Suche nach neuen Lösungen, Begründungen und fachlichen Fundierungen fordert.

Hieraus entstehen in unserem Team Expert*innen für spezifische Schwerpunkte, die fachliche Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Aspekten der Entwicklung aus Theorie und Praxis  wird angeregt und die Teamexpertise stetig ausgeweitet.

Dadurch wird eine multiperspektivische Diagnosekompetenz hinsichtlich der kindlichen Entwicklung erweitert, da mehrere Fachkräfte mit unterschiedlichen Expertisen das Kind beobachten und somit ein fachlich fundiertes Bild über Stärken und Förderbereiche ermöglichen.

Das Arbeiten in der Gruppe wird durch das teiloffene Konzeptwesentlich intensiver, da sich Kinder eigenständig zusammenfinden, die situativ das gleiche Interesse motiviert.

Dadurch erhöht sich die Qualität der pädagogischen Arbeit, da diese näher an den Bedürfnissen der Kinder erfolgt.

Die konzeptionelle Weitung verspricht, dass die Erzieher*innen fachbezogener arbeiten, sie können sich entsprechend ihrer Interessen und besonderen Fähigkeiten  auf bestimmte Projekte, Angebote und Beschäftigungen spezialisieren und so ihre Förderkompetenz ausbauen.

Auch für die Eltern öffnet sich der Kindergarten, da die pädagogische Arbeit noch transparenter gemacht wird.

Im Sinne tragender Erziehungs- und Bildungspartnerschaften sind bei bestimmten Projekten zudem die Eltern aufgerufen, sich verantwortlich und partizipativ im pädagogischen Alltag und somit an der Förderung nicht nur der eigenen Kinder zu beteiligen.

Nur so kann der Grundstein für eine verantwortungsvolle und über den Kindergarten hinaus wirkende pädagogische Entwicklungs- und Bildungsförderung der Kinder gelingen.

 

 

Lesen Sie auch einen Artikel aus der Zeitschrift Begegnung über den Besuch unseres Kindergartens.

Kontakte

Deutsche Schule zu Porto
Rua Guerra Junqueiro, 162 4150-386
Porto / Portugal

Telefone: +351 22 607 65 70
e-Mail: info@dsporto.de

 

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