Die 60er Jahre – Konsolidierung

 Am 9. Oktober 1961, im 60. Jahr ihres Bestehens, wurde das neue Schulgebäude der Deutschen Schule zu Porto feierlich eingeweiht. Die Freude über das Gebäude, die von vielen Hoffnungen und Erwartungen getragen wurde, vermischte sich auch mit kritischen Stimmen über wirkliche oder vermeintliche bauliche Unzulänglichkeiten: Die Turnhalle wies keine vollständigen Spielfeldmaße auf, ihre Decke war zwei Meter zu niedrig geraten, die Außenanlagen mit Sprunggrube und Rasenfeld reichten für Sportwettkämpfe nicht aus und das Lehrschwimmbecken hatte eine zu geringen Wassertiefe.
Die Arbeit der Deutschen Schule, die seit ihrer Wiedereröffnung nach dem 2. Weltkrieg im Jahre 1952 nur behelfsmäßige Unterkünfte in angemieteten Häusern gefunden hatte, wurde von den deutschen und portugiesischen Eltern weiter angenommen. Die Sternwarte erhielt einen Alder-Ott-Integraphen, man arbeitete eng mit dem deutschen Kulturinstitut zusammen, viele Lehrer waren bereit, über Unterrichtsverpflichtungen hinaus bei kulturellen Veranstaltungen mitzuwirken. Es gab Vorträge des deutschen Konsuls über Brasilien, der Schulleiter referierte über literarische Themen, darüber hinaus veranstaltete man Filmvorführungen. Auch der 1962 wiedergegründete Deutsche Verein traf sich im Keller der Deutschen Schule, die Deutsche Evangelische Kirchengemeinde fand dort ein Zuhause.
Die Bundesrepublik Deutschland und die Mitglieder der deutschen Kolonie hatten etwa 2.400.000 DM in den Schulbau investiert, die Schule befand sich zu einem Drittel im Besitz des Schulvereins. Die Deutsche Schule zu Porto war eine von der ständigen Konferenz der Kultusminister (KMK) anerkannte höhere Schule im Ausland, die zur Prüfung der „Mittleren Reife“ nach Abschluss der 10. Klasse führte. Portugiesische Schüler, die vorzeitig die Deutsche Schule verließen, mussten sich für die Aufnahme in ein portugiesisches Gymnasium der Prüfung „Exame de transição“ unterziehen.
Zu Anfang der 60er Jahre verließen zwei Schulleiter nach kurzer Amtszeit die Schule wieder, erst dem 1964 berufenen Schulleiter Dr. Hans-Dieter Hüsgen gelang es, die inneren Spannungen und Schwierigkeiten der Schule auszugleichen.
Am 21. August 1967 erteilte das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland trotz knapper öffentlicher Mittel der Deutschen Schule zu Porto die Genehmigung zur Erweiterung des Unterrichtsangebots bis zur Reifeprüfung. Die gymnasiale Oberstufe an der Deutschen Schule wurde auch vom portugiesischen Erziehungsministerium wohlwollend begrüßt. Für die portugiesischen Jungen war aber der deutsche Schulabschluss kaum zu erreichen, da die Gymnasialausbildung eine zwei Jahre längere Schulzeit vorsah als das portugiesische Lyzeum, danach musste ein mehrjähriger Militärdienst abgeleistet werden. So war die Oberstufe der Deutschen Schule überwiegend mit Schülerinnen besetzt. Erst ab Mitte der 70er Jahre, als der langjährige Militärdienst verkürzt wurde, blieben nach erfolgreicher Prüfung für die „Mittlere Reife“ fast alle Schüler an der Deutschen Schule, um auch die Reifeprüfung abzulegen. Der Ausbau der Schule bis zur Reifeprüfung sollte aber erneute bauliche Probleme aufwerfen, da wegen einer weiteren  11. Klasse und der Differenzierung der Oberstufe in einen sprachlichen und naturwissenschaftlichen Zweig schnell Platzmangel entstand.

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