1946-1960

Die 50er Jahre: Neubeginn

 Zum zweiten Mal im 20. Jahrhundert wurde die Arbeit der Deutschen Schule zu Porto nach einem Krieg unterbrochen. Da Portugal während des 2. Weltkriegs seine Neutralität erklärt hatte, waren die Deutschen nicht gezwungen, das Land wieder zu verlassen, wie sie es nach dem 1. Weltkrieg mussten. Daher konnten die Kinder Privatunterricht erhalten, den einige verbliebene Lehrkräfte in den ersten Nachkriegsjahren erteilten. Der größte Teil der Kinder wechselte aber auf portugiesische Schulen. Das Vermögen der Deutschen war nach dem Abkommen von Bretton Woods im Jahre 1944 unter portugiesische Treuhandschaft gefallen, das Schulgebäude war beschlagnahmt.
Ab 1950 begann der ehemalige Lehrer der Deutschen Schule, Alfred Busse, in den Privathäusern der Familien Burmester und Eisele deutsche Kinder zu unterrichten. Seine guten Beziehungen zum portugiesischen Kultusministerium erleichterten den Weg hin zu einer neuen Deutschen Schule, den die Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes unterstützte, wenn sie von einem deutschen Schulverein getragen würde.
So fassten am 1. März 1951 38 Mitglieder der deutschen Kolonie in Porto den Beschluss, die Deutsche Schule ab 6. Oktober 1952 wieder zu eröffnen; der Schulvorstand aus der unmittelbaren Vorkriegszeit mit Wilhelm Durrer, der den Vorsitz bis 1964 führte, August Bock (Schriftführer), Waldemar Appelt (Kassenwart) und Walter Cudell, Herbert Leichsenring und Fritz Lorenz als Schriftführer  wurde reaktiviert. 1953 trat als ständiges Mitglied bis 1958 Konsul Walter Geffken hinzu. Viele Verantwortliche aus der Vorkriegs- und Kriegszeit nutzten ihre Beziehungen zu portugiesischen Behörden. Da es kaum personelle Alternativen gab, fanden sich auch durch die Zeit des Nationalsozialismus belastete Namen beim Wiederaufbau der Deutschen Schulgemeinschaft.
Familie Busse bezog zum 1. Oktober 1952 ein Privathaus in der Rua da Gondarém in Foz do Douro, das als geeignetes Schulhaus angemietet wurde.
Aber erst nach einer offiziellen Inspektion durch das portugiesische Kultusministerium konnte am 7. Januar 1953 die Unterrichtsarbeit aufgenommen werden. 20 Schüler der Klassen 1 bis 4 wurden beschult, das Privatleben der Lehrerfamilie Busse wurde vollständig in die schulische Arbeit integriert. Alfred Busse war nicht nur Schulleiter und Lehrer, er bewährte sich außerdem als Hausmeister und Stundenplanmacher, er selbst unterrichtete statt der vorgesehenen 28 Wochenstunden insgesamt 42.
Da die Bundesrepublik Deutschland in diesen Jahren keine finanziellen Zuschüsse gewährte, musste die Deutsche Schule sich mit den gezahlten Schulgeldern arrangieren. Bereits im Schuljahr 1952/53 stieg die Zahl der Schüler auf 42, da nun auch portugiesische Kinder aufgenommen wurden. Bildungsziel der Schule war der Realschulabschluss der 10. Klasse mit der „Mittleren Reife“. Nach erfolgreichem Bestehen dieser Abschlussprüfung konnten die Schüler ihre Schulausbildung an einer in- oder ausländischen höheren Schule fortsetzen.
Neue Lehrer wurden angeworben, einige Klassen wurden wegen der räumlichen Enge in die Rua do Marechal Saldanha 1184 ausgelagert. Während der großen Pause mussten die Lehrer die Schulhäuser wechseln und kamen zwangsläufig zu spät in ihren Unterricht.
Am 8. Mai 1954 traten die ersten beiden entsandten Lehrkräfte aus Deutschland ihren Dienst an der Deutschen Schule zu Porto an: Studienrat Johann Röhrenbach als neuer Schulleiter und Malte Unrau, die sich darauf einstellen mussten, auch den portugiesischen Belangen zu genügen. Der Lehrer Alfred Busse, der sich wegen seiner nationalsozialistischen Aktivitäten nicht hatte entnazifizieren lassen, unterrichtete nach dem Krieg drei Jahre in Nordrhein-Westfalen, kehrte aber als Turn- und Grundschullehrer an die Deutsche Schule zu Porto zurück. Sein Dienstvertrag lief 1960 aus und wurde nicht mehr verlängert.
Im Schuljahr 1954/55 gab es 104 Schüler, von denen zwei Drittel portugiesisch waren. Im Oktober 1958 waren es schon 258. Eine zweijährige Kindergartenzeit wurde angestrebt, in der den portugiesischen Kindern schon Deutschkurse vermittelt werden sollten. Dafür wurde im Sommer 1957 ein weiteres Gebäude in der Rua da Gondarém angemietet. Das Transportproblem für Kinder aus entfernteren Wohnlagen wurde ab dem Schuljahr 1955/56 mit Schulbussen gelöst, bis dahin waren Taxis im Einsatz.
Im Januar 1957 wurden deutsche Sprachkurse für portugiesische Erwachsene in der Deutschen Schule angeboten, die ab November 1957 im neugegrün-deten Deutschen Kultur-Institut in der Universidade do Porto stattfanden. Deutsche Lehrkräfte der Schule übernahmen den Sprachunterricht. Der Unterricht dauerte von 8:50 Uhr – 12:20 Uhr, die Gymnasialklassen blieben bis 13:10 Uhr.
Die Ständige Konferenz der Kultusminister (KMK) erkannte 1956 die Deutsche Schule zu Porto als deutsche Auslandsschule an. Ein Übergang von Schülern in das portugiesische Schulwesen wurde durch das „equiparação“ ermöglicht, das die portugiesischen Schüler mit denen staatlicher Schulen gleichstellte.
Der deutsche Unterricht wurde am Vormittag, der portugiesische nachmittags erteilt, was zu einer starken, zeitlichen Belastung des Stundenplans führte. Schon die Grundschüler mussten ein Wochenpensum von 39 Unterrichtsstunden bewältigen. Mädchen und Jungen wurden getrennt unterrichtet, so wollte es das portugiesische Schulrecht, daher mussten zwei Centros PrimáriosCentro Masculino und Centro Feminino eingerichtet werden.
Im Juni 1959 konnte die erste Abschlussprüfung abgenommen werden, die unter der Leitung von OStD i.R. Schröter stattfand; alle acht Prüflinge bestanden. Im Dezember 1959 erteilte dann das portugiesische Kultusministerium zum ersten Mal die „equiparação“, die eine Gleichstellung der Prüfung mit dem „exame do 5º ano“ darstellte.
Trotz aller schulischen Erfolge waren aber doch viele Dinge mit Mängeln behaftet: es fehlte ein Spielplatz, Fachräume für die naturwissenschaftlichen Fächer gab es nicht, ebensowenig für Kunst und Handarbeit, auch eine Sporthalle fehlte noch. Der Sportunterricht fand ab 1954 auf einem Tennisplatz statt, ab 1956 auf dem Sportplatz des Sportclubs F.C. da Foz. Auch die Garage des Hauptgebäudes in der Rua de Gondarém 450 wurde für den Turnunterricht zweckentfremdet. Der ständige Platzmangel wurde für die Deutsche Schule zu einem dauerhaften Problem, so dass man schon bald nach neuen Räumlichkeiten Ausschau hielt.
Das frühere Schulgebäude, das seit dem Kriegsende unter alliierter Verwaltung gestanden hatte, wurde 1956 an die Emissora Nacional für 2.500.000$00 verkauft. (Seit 1980 befindet sich dort die Siedlung „Património da Associação de Moradores da Zona do Campo Alegre“). 1957 wurde der Archtiekt Dipl. Ing. Konrad Wiesener aus Neustadt/Saale beauftragt, die Projektarbeit für einen Neubau der Deutschen Schule zu Porto für 340 Schüler zu leiten. Die Gesamtleitung für den Neubau in der Rua Guerra Junqueiro 162 übernahm die Bundesbaudirektion in Berlin. Am 23. Januar 1958 wurde der Raumplan für die Grundschule mit vier großen Klassenräumen genehmigt, im November 1958 wurde die örtliche Bauleitung in Porto eingerichtet. Als Kontaktarchitekt fungierte Arménio Losa, der Ehemann der Schriftstellerin Ilse Losa, der gegenüber den portugiesischen Behörden als Verantwortlicher auftrat.
Im Mai 1959 kaufte der Schulverein ein weiteres Grundstück hinzu, wodurch der Abstand zu den Nachbargrundstücken vergrößert wurde. Die Gesamtfläche der Deutschen Schule betrug 13.152 qm, der Gesamtpreis belief sich auf 1.580.384$00, was einem Quadratmeterpreis von ca. 120$00 entsprach. Die portugiesischen Bauaufsichtsbehörden erteilten relativ schnell die erforderlichen Genehmigungen, daher konnte am 27. Juni 1959 der deutsche Botschafter in Portugal, Dr. Schaffaczyck, in einer Feierstunde den Grundstein für den Neubau der Deutschen Schule legen. Am 10. August 1959 begannen die Bauarbeiten, trotz schlechter Wetterverhältnisse wuchs der Rohbau schnell empor, so dass schon am 11. August 1960 das Richtfest gefeiert wurde. Anschließend begannen die Ausbauarbeiten mit der Heizungs- und Warmwasseranlage, der Lüftung für den Festsaal, der Einrichtung der Fachklassen für Physik, Chemie und Biologie sowie der Turnhalle und der Schulküche.
Das neue Schulgebäude erhielt eine besondere architektonische Note durch den Kuppelaufbau eines Observatoriums von 4 m Durchmesser. Dort waren ein Spiegelteleskop und eine Astrokamera untergebracht. Die Eingangshalle schmückte ein Bronzerelief der Bildhauerin Neubauer-Wörne, im Innenhof, der mit Werkstein ausgelegt war, wurde die Bronzeplastik „Musizierende Mädchen“ des Berliner Bildhauers Waldemar Otto aufgestellt, und im Kindergarten zeigte sich ein von dem Kunstmaler Kirchner gestaltetes Wandfries mit Szenen aus deutschen Märchen. Schließlich sollten die Grünanlagen der Schule den Ruf Portos als Stadt der Blumen und Gärten unterstreichen.

1901-1920
1921-1930
1931-1945
1946-1960
1961-1970
1971-1980
1981-1990
1991-2001

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