1931-1945

Drittes Reich und 2. Weltkrieg

 Das wichtigste Ereignis für die Deutsche Schule zu Porto war in den 30er Jahren der Bau des eigenen Schulgebäudes. Seit ihrer Gründung im Jahre 1901 war die Schule in gemieteten Gebäuden untergebracht, die für Unterrichtszwecke nur wenig geeignet waren.
Zum Schulvorstand, der den entscheidenden Beschluss zum Bau des Schulgebäudes gefasst hatte, gehörten W. Stüve (Konsul und Ehrenvorsitzender). A. Höfle (Vorsitzender), A. Löbe (Schriftführer), J. Pohl (Kassenwart) sowie C. Brücher, E. Katzenstein und C. Michaelis de Vasconcelos (Beisitzer) an. Der deutsche Gesandte Dr. von Baligand hatte sein Versprechen vom Mai 1929 gehalten, als er anlässlich eines Besuchs in Porto im Grande Hotel do Porto deutlich gemacht hatte, dass er alles tun werde, „was in meinen Kräften steht, damit die Schule in Bälde in einem würdigeren Gebäude untergebracht wird.“ Er verstarb 1930 in Lissabon, ohne die Fertigstellung des Schulgebäudes selbst erlebt zu haben.
Bereits im Januar 1932 bezog die Realschule die oberen Räume, die feierliche Eröffnung des Schulgebäudes fand am 15. März 1932 statt. Neben dem deutschen Gesandten aus Lissabon, Dr. Hartmann, befanden sich der Leiter der Abteilung für das Auslandsschulwesen im Auswärtigen Amt Berlin, Geheimrat Dr. Böhme, der österreichische Pfarrer Viktor Wurzer als Vertreter der deutsch-katholischen Gemeinde in Lissabon und Franz Burmester als Vorsitzender der evangelischen Kirchengemeinde in Porto, der auch den Portwein für die Feierstunde stiftete, unter den Ehrengästen.
Leider entsprach die Bauausführung nicht an allen Stellen den Anforderungen, so dass schon nach kurzer Zeit in einem Klassenraum während einer Pause der Stuck von der Decke herunterfiel.
1932 verstarb C. Michaelis de Vasconcelos, der sich sehr für den Bau des Schulgebäudes engagiert hatte. Zum Gedenken wurde der Zeichen- und Musiksaal nach ihm benannt, sein Portrait wurde an der Stirnwand des Raumes aufgehängt.
Eine Kommission befasste sich mit der Ausarbeitung einer neuen Satzung des Schulvereins. Sie legte nach mehreren Sitzungen die neugefassten Statuten der Hauptversammlung am 27. Januar 1933 vor.
1932 feierte die Deutsche Schule den 100-jährigen Todestag von Johann Wolfgang von Goethe in Ermangelung eines eigenen Festsaals im Centro Comercial von Porto. Die wirtschaftlichen Probleme der 30er Jahre verschonten auch die Deutsche Schule zu Porto nicht. 1931 mussten zum einen die Schulgelder erhöht werden, gleichzeitig kürzte man die Lehrergehälter, da die Schulbeihilfen des Auswärtigen Amtes erheblich zurückgenommen wurden. Erst 1934 wurden die Turnhalle und ein Festsaal an den Nordtrakt der Schule angebaut.
Die Firma Siemens erklärte sich bereit, die elektrischen Anlagen der neuen
Gebäude zum Selbstkostenpreis zu installieren, eine Heizungsanlage war zunächst nicht vorhanden.
Im schulinternen Bereich wurde auf Anraten des Schulleiters eine vierte Grundschulkasse eingeführt, dem Unterricht in portugiesischer Sprache kam mehr Bedeutung zu, da die Existenz der Schule von der Aufnahme von Schülern des Gastlandes abhing. Daher wurde eine weitere portugiesische Lehrkraft eingestellt, interessierten Schülern wurde angeboten, sechs Wochenstunden portugiesischen Unterricht am Nachmittag kostenfrei zu besuchen. Trotz dieser Regelungen war es für portugiesische Kinder schwer, nach der deutschen Realschule den Übergang in ein portugiesisches Gymnasium zu schaffen, da eine Anerkennung der deutschen Lehrpläne durch die portugiesischen Behörden nicht möglich war. Die Zahl der Kinder stieg durch die Einrichtung eines Kindergartens in den 20er Jahren kontinuierlich an Die Kindergärtnerin Brassert wurde als Leiterin des Kindergartens verpflichtet.
Nicht immer war der Schulverein mit der pädagogischen Arbeit seiner angestellten Lehrkräfte zufrieden. Über die Lehrerin M. Piening urteilte man in einem Schreiben an die Deutsche Schule Barcelona im Juni 1926: „Fräulein Piening wurde nach einer mehrmonatigen Tätigkeit als Hauslehrerin einer portugiesischen Familie für die Deutsche Schule zu Porto verpflichtet und ist seit Mai 1922 an ihr tätig. Leider hat sie es vielfach an dem nötigen Eifer fehlen lassen, hat auch stets mit disziplinarischen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, so dass ihr Unterricht nicht den zu erwartenden Erfolg gezeitigt hat. Auch ihre methodische Schulung lässt zu wünschen übrig […].“
Im Juni und Juli 1938 fanden die ersten schriftlichen Abschlussprüfungen unter dem Vorsitz des Gesandtschaftsrats Dr. Rahn statt. Alle fünf gemeldeten Schüler bestanden die Prüfung.
Als die nationalsozialistische Gewaltherrschaft Deutschland und Europa mit Krieg und Terror überzog, spiegelten sich die politischen und ideologischen Verhältnisse in Deutschland auch im Selbstverständnis der damaligen Schule und ihrer Lehrerschaft wieder. Auch die Deutsche Schule zu Porto konnte und wollte sich nicht dem Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie entziehen. Man feierte anstelle des Weihnachtsfestes am 21. Dezember das Reichjugendfest der Wintersonnenwende, bei dem ein Holzstoß auf dem Schulhof abgebrannt wurde. Die „Wiedergewinnung der Ostmark“‚ wurde durch einen Feiertag begangen; Lehrer, Eltern und Schüler versammelten sich auf dem Schulhof, um „ihrer Freude über die Befreiung der Ostmark Ausdruck zu geben“. Und für die Schlussprüfung mussten sich die Schüler in einem deutschen Aufsatz mit der „österreichischen Frage und ihrer Lösung durch Adolf Hitler“ befassen. Die Aufgaben der Reichsdeutschen Jugend im Auslande“ wurde ebenso erörtert wie Hitlers „Mein Kampf“ im Vergleich mit Friedrich Forsters Schauspiel „Alle gegen Einen, Einer für alle.“ Die ideologische Indoktrination wurde offensichtlich. Auf Anordnung der portugiesischen Regierung gedachte die Deutsche Schule am 27. April 1938 der Wiederkehr des Tages, „an dem Dr. Salazar 1928 in die Regierung eintrat“, eine Ansprache verglich das Werk Salazars mit dem Hitlers und Mussolinis. Zum Abschluss einer Feierstunde wurde die portugiesische Nationalhymne gespielt. Im Lehrerkollegium gab es NSDAP-Mitglieder, die nationalsozialistischen Organisationen waren durch Scharführer, HJ-Führer und Sportwarte vertreten. Im Schulvorstand gab es ein Mitglied, das als Ortsgruppenleiter der NSDAP fungierte und Prüfungen beaufsichtigte. Die Deutsche Schule wurde zum Mittelpunkt eines nationalsozialistisch ausgerichteten Deutschlandbildes: Versammlungsort der Reichsdeutschen Jugend, Veranstaltungsort für politische Feiern, Geschäftsstelle der NSDAP, Treffpunkt der Hitler-Jugend (HJ) und des Bundes deutscher Mädel (BdM). Spenden kamen der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt zugute.
Während des 2. Weltkrieges blieb die Deutsche Schule zu Porto bestehen. Auf Ersuchen der Alliierten wurde das Gebäude aber am 9. Mai 1945 geschlossen, die Türen wurden versiegelt, der Besitz beschlagnahmt.
Zeitzeugen erinnern sich kaum mehr an den Schultag in jener Zeit oder nur noch an bestimmte Lehrerinnen und Lehrer. Der Schulleiter Fritz Rübner war zuvor Privatlehrer bei Familie Appelt, danach Lehrer an der Handelshochschule Porto, ab 1925 Lehrkraft an der Deutschen Schule und von 1927 bis 1936 ihr Direktor. Die Lehrerin Zinke, jung, aber auf Zack. schwamm gerne·- zum Entsetzen der Portugiesen – vor dem Molhe im Atlantikwasser. Gudrun Schowalter zeigte bei Prüfungen ein großes Herz für die Schüler, der Lehrer Hans Schröper beging Selbstmord, sein Kollege Walter Hahn starb im Krieg. Über den Schulleiter Fritz Lichtenberg, der die Deutsche Schule von 1936 bis 1945 leitete, ist nur wenig bekannt geblieben. Obwohl in herausgehobener Stellung tätig, zeigte er kein großes Engagement für die nationalsozialistische Ideologie, man weiß noch von seinem distanzierten Verhalten zu anderen Lehrerkollegen in dieser Frage
Unter dem Eindruck der Niederlage Deutschlands und der Verbrechen des nationalsozialistischen Unrechtsregimes war die moralische Stellung der Deutschen angeschlagen, an eine schnelle Wiedereröffnung der Deutschen Schule in Porto war nicht zu denken. Aus dem Schulbereich in der Zeit von 1938 bis 1942 ist nur ein Dokument über die Schule und ihre Lehrer zugänglich, in dem den Lehrkräften F. Lichtenberg, A. Busse, L. Schnell und G. Höfle die Arbeitserlaubnis für die Deutsche Schule zu Porto erteilt wurde.  Die Niederlage des Deutschen Reichs vernichtete alle bis dahin gültigen Werte; schmerzvolle Erinnerungen an das Geschehene und das Verdrängen von unliebsamen historischen Wahrheiten erschütterten das Zusammenleben nicht nur der Deutschen in Porto.

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