Die Deutsche Schule in den 20er Jahren

 Am 8. Dezember 1921 beschlossen 13 Mitglieder der deutschen Kolonie einen Aufruf zur Gründung einer Deutschen Schule, sie beabsichtigten gleichzeitig, sich nach einem Haus für das geplante Projekt umzusehen. Drei Monate später, am 3. März 1922, beschloss man, ein Gebäude in der Rua Alta de Vila in Foz do Douro für einen monatlichen Preis von 200$00 anzumieten. Max Schwair erklärte sich zur Übernahme der Schulleitung bereit und wurde mit einem Monatsgehalt von 500$00 ausgestattet. Zwei deutsche Lehrkräfte, später eine weitere portugiesische, wurden eingestellt. lm ersten Schuljahr unterrichtete man 36 Kinder, die wegen der geringen finanziellen Mittel nur eine notdürftig ausgestattete Schule besuchten. 1923 übernahm Studienassessor Paul Hasselbarth die Schulleitung. Bis 1924 wurde in dem beengten Haus gearbeitet, sieben Klassen standen fünf Lehrkräften gegenüber, den portugiesischen Schülern wurde noch kein gesonderter deutscher Sprachunterricht erteilt.
Im November 1924 konnte der Schulvorstand in der Rua Senhora da Luz 50 in Foz do Douro ein größeres Haus anmieten. Nach erfolgten Renovierungsarbeiten zog die Deutsche Schule im Februar 1925 um. Die Küche wurde zum Laborraum umfunktioniert, Turnunterricht fand auf dem kleinen Innenhof statt, das Auswärtige Amt stiftete eine Lehrmittelsammlung für die Fächer Biologie, Geschichte und Geographie, der Männergesangverein Porto und der Schulvorstand beschafften ein Klavier für den Musikunterricht.
Nach dem 1. Weltkrieg wurden deutsche Lehrkräfte durch das Auswärtige Amt vermittelt; es sollte so gewährleistet werden, dass „tüchtige Lehrkräfte, mit deren Hilfe hohe nationale Aufgaben, die Erhaltung und Förderung des Deutschtums und die Verbreitung deutscher Sprache und Bildung im Auslande erfüllt werden konnten […]“ an den Schulen eingesetzt wurden. Auf einer Tagung der Schulleiter der Deutschen Schulen in Spanien und Portugal äußerte sich Schulleiter Fritz Rübner zu den nur kurzfristig abgeschlossenen Verträgen der Auslandslehrer. Er stellte fest, dass „bei fast allen Schulen ein dauerndes Kommen und Gehen von Lehrkräften an der Tages- oder besser Jahresordnung sei […]. Man war sich darüber einig, „[…]. dass diese Tatsache einen außerordentlichen Nachteil für den Lehrbetrieb darstellte.“ Dazu forderte er, dass der Aus!andslehrer „[…]. frei von finanziellen Gegenwarts- und Zukunftssorgen werden soll. Nur ein freier Lehrer ist befähigt. sein Bestes in hohem Idealismus der deutschen Jugend besonders Im Ausland zu geben.“
Die Arbeit der Deutschen Schule zu Porto in den 20er Jahren war gekennzeichnet von der Konsolidierung der schulischen Arbeit; die Schule erreichte zum ersten Mal die Klassenstufe der Untersekunda, der Schulleiter bot einen Stenografiekurs an, im Stundenplan tauchte Naturkunde als Unterrichtsfach auf, auf einem gemieteten Sportplatz fanden Turnspiele statt, ein Schulausflug in das nahe Miramar schloss das Schuljahr ab. Viele Mitglieder der deutschen Schulgemeinde stifteten Ausstattungsgegenstände und Unterrichtsmaterial oder halfen dabei, Weihnachtsaufführungen und andere Veranstaltungen zu organisieren. Im Spätherbst rösteten sich die Schüler in den Pausen gerne Kastanien in den angelieferten Petroleumöfen. Im Schuljahr 1926/27 besuchten bereits 62 Schüler die Deutsche Schule zu Porto. Die Festveranstaltungen behieIten in der Zeit der Weimarer Republik ihren nationalen Charakter. Man gedachte der Skagerrak-Schlacht oder des 80. Geburtstags des Reichspräsidenten Hindenburg in Feierstunden mit Gesängen, Gedichtvorträgen und Ansprachen.
Nachdem im November 1926 der deutsche Staatsminister Dr. Boelitz im Auftrag des Auswärtigen Amtes die Deutsche Schule zu Porto besucht hatte, äußerte er nicht nur Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit, sondern empfahl dem Schulvorstand auch den Kauf eines eigenen Schulhauses und die Gründung eines Kindergartens.
Das Verhältnis zwischen Schulvorstand und Lehrkräften war in jener Zelt nicht frei von Spannungen. Auf einer Vorstandsitzung im August 1925 wurde darüber Klage geführt, dass „Frau Hasselbarth einen oder mehrere Tage in der Schule gefehlt habe, unter der Vorgabe, Koffer für die Reise packen zu müssen. Ein solches Vorgehen wird als unstatthaft empfunden, da es die Disziplin vollkommen untergräbt.” Am Ende des Schuljahres verließ die Lehrkraft die Deutsche Schule zu Porto.
Im Februar 1927 kam es in Porto zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Revolutionäre Aufständische hatten sich im Stadtzentrum verschanzt und wurden von Regierungstruppen vom Hafen Leixões aus mit Schiffsartillerie beschossen. Während dieser Zeit wurde der Unterricht der Deutschen Schule eingestellt, auch weil keine öffentlichen Verkehrsmittel von Porto nach Foz do Douro fahren konnten. Erst nach sechs Tagen normalisierte sich die Lage wieder. Am Ende des Schuljahres übernahm Fritz Rübner die Leitung der Deutschen Schule zu Porto.
Da während des Schuljahres einige deutsche Schüler die Schule verließen und es nicht genügend nachwachsende Kinder aus der deutschen Kolonie gab, geriet der Schulverein durch den Ausfall von Schulgeldern in finanzielle Schwierigkeiten. Daher beschloss man portugiesische Kinder für die Schule zu gewinnen, der Schuljahresbeginn wurde auf den 1. Oktober verlegt.
Als im Schuljahr 1928/29 die Zahl der Klassen auf acht stieg, für die nur sechs Klassenräume zur Verfügung standen, musste erneut eine bauliche Lösung gefunden werden. Durch die großzügige Spende des deutschen Gesandten in Lissabon, Dr. Voretzsch, konnte ein Hausbaufonds begründet werden, auch ortsansässige deutsche Firmen unterstützten die Deutsche Schule mit finanziellen Mitteln, dennoch reichten diese nicht aus, ein eigenes Schulgebäude in zentraler Lage in Porto zu errichten. Daher reichte der Schulvorstand ein Gesuch um finanzielle Unterstützung über die Botschaft in Lissabon an die deutsche Reichsregierung ein. Am 25. Mai 1929 besuchte der deutsche Gesandte Dr. von Baligand die Deutsche Schule zu Porto; ihm gelang es, beträchtliche Mittel für den Neubau der Schule von der Reichsregierung zu erhalten. Der Schulvorstand beschloss daraufhin am 16. Dezember 1929, ein Grundstück in der Rua da Guerra Junqueiro zu erwerben, das etwa in gleicher Entfernung vom Stadtzentrum Portos und von Foz do Douro lag. 1930 konnte schließlich mit dem Neubau begonnen werden.
Das Schuljahr 1929/30 umfasste 274 Unterrichtstage. Die Sommerferien lagen in der Zeit vom 01. August – 30. September, ein Schulausflug führte in die Wälder bei Pedras Rubras im Norden Portugals; die zoologische Sammlung der Schule erhielt von Herrn Roberto Cudell einen ausgestopften Eichelhäher.
Im Winter 1929 lief das Dampfschiff „Deitster“ der Dampfgesellschaft Neplun vor der Douro-Mündung auf Grund, in der stürmischen See kamen alle 25 Männer der Besatzung und die portugiesischen Lotsen ums Leben.

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