Anfangsjahre

Entstehung und Aufbau

Die Einwanderung der ältesten deutschen Familien begann in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts. Für die Erziehung der Kinder ließ man Hauslehrerinnen aus der Heimat kommen.
Die meisten deutschen Kaufmanns- und Reederfamlien waren Norddeutsche evangelischer Konfession, die sich zur Jahrhundertwende in einer Kirchengemeinde engagierten, besonders dem Bau eines Kirchengebäudes galten ihre Bemühungen. Es war Pfarrer Boit aus Lissabon, der die entscheidende Initiative zur Gründung der Deutschen Schule In Porto ergriff. Neben Spenden aus der Kirchengemeinde war eine Reichsbeihilfe des Auswärtigen Amtes in Höhe von jährlich 3000,- Reichsmark die Grundlage für den Aufbau dieser Schule. Schließlich waren die Gemeindemitglieder bereit, sich auch zu regelmäßigen Spenden und Beitragen für die Kirchen- und Schulgemeinde zu verpflichten. So waren die evangelische Kirchengemeinde, die ab dem 27. Februar 1911 an die Evangelische Landeskirche Preußens angeschlossen wurde, und die Deutsche Schule in ihrer Gründungszeit eng miteinander verbunden. Ein dreistöckiges Stadthaus wurde in der Rua da Restauração angemietet. Pfarrer Martin Richter, der dort auch wohnte, wurde der erste Schulleiter der Deutschen Schule. Am 18. November 1901 wurde die Unterrichtsarbeit von 2 Lehrkräften und zwei Hilfskräften aufgenommen, die 18 Jungen und 3 Mädchen unterrichteten. Um den Deutschen Charakter der Schule herauszustellen, wurden zunächst nur Kinder deutscher Nationalität aufgenommen. Deutsch war nicht nur Unterrichts-, sondern auch Umgangssprache. Da in den Familien, die ein Kind zur Einschulung vorbereiteten, darauf geachtet wurde, dass man Deutsch sprach, konnte bereits 1904 ein spezieller deutscher Sprachkurs wegfallen. Man legte seit der Gründung der Deutschen Schule auch Wert darauf, die Sprache des Gastlandes zu pflegen, sodass Portugiesisch Lehrfach war. ab 1910 unterrichtete man die Schülerinnen und Schüler in Geschichte und Geographie Portugals. Bis 1906 besuchten die Schüler die Schule bis zur Quinta (6. Klasse), zur Weiterbildung schickten die Eltern ihre Kinder im Alter von nur 11 Jahren nach Deutschland.
1907 wurde eine weitere Lehrkraft aus Deutschland angeworben, deren Gehalt durch ein außerordentliches Schulgeld finanziert wurde. Die männlichen Lehrkräfte aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg kamen aus dem Schuldienst des Deutschen Reichs und blieben ca. 3 – 5 Jahre in Porto. Sie waren meist Junggesellen, ein Umstand, der ihre Bezahlung für den Schulverein günstiger machte. Die weiblichen Lehrkräfte waren Töchter ortsansässiger Familien oder ehemalige Erzieherinnen, die nach ihrer Heirat aus dem Schuldienst im Deutschen Reich ausgeschieden waren.
Schon damals erhielten die aus Deutschland gekommenen Lehrkräfte und die Ortskräfte der Schule unterschiedliche Gehälter, obwohl sich ihre schulische Arbeit annähernd glich: Pfarrer Richter erhielt als Direktor zusätzlich zu seinem Verdienst als Kirchenmann 300 „mil reis“ und kam insgesamt  auf 900 „mil reis“ jährlich, die Lehrkraft Fröhling verdiente 600 „mil reis“, die beiden weiblichen Hilfskräfte teilten sich 290 „mil reis“ Jahresverdienst.
Auf einer Sitzung des Vereinsvorstandes beklagte Pfarrer Olbricht im Juni 1911, dass er�
Pfarrer Martin Richter

aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten in Porto kaum mit seinem bewilligten jährlichen Gehalt auskomme. Der Schulleiter regte daraufhin die zukünftige Verpflichtung eines jungen, unverheirateten Geistlichen an, um mit dem eingesparten Geld einen zusätzlichen Neuphilologen für die Schule zu verpflichten.
1905 deckten die Zuschüsse des Auswärtigen Amtes lediglich das Jahresgehalt einer Lehrkraft, alle anderen Kosten trug der Deutsche Verein durch Spenden und Mitgliederbeiträge. Vor dem Hintergrund der knappen Finanzierung der Deutschen Schule in Porto muss man die Abhängigkeit der Lehrkräfte vom Schulverein und den ihn finanzierenden Familien verstehen, auch das Risiko der langfristigen Verpflichtung einer unbekannten Lehrkraft für den Schulverein wird deutlich. Die Lehrkräfte meldeten sich kaum krank und arbeiteten mit einem Deputat von 30 Wochenstunden. Der Unterricht dauerte bis 15:00 Uhr.

1909 wurde Oberlehrer Alexander Geys Nachfolger von Pfarrer Richter als Schulleiter der Deutschen Schule zu Porto. Die Schulordnung der damaligen Zeit schrieb den Schülern vor, ihre Bücher und Schulsachen in einem guten Zustand und sauber zu halten. Gutes Benehmen wurde nicht nur während der Unterrichtszeit, sondern auch auf dem Schulweg verlangt, die Schule war regelmäßig zu besuchen, was aber nicht immer allen Kindern gelang.
Der Unterricht wurde durch Spielpausen unterbrochen. Um in den Kindern Freude am Lernen zu wecken, wurden botanische Exkursionen unternommen. Man besichtigte die Dampfmühle Corpo Santo, eine Bierbrauerei und die Weberei Jacinto. Am Samstagnachmittag unternahm man Ausflüge in die nähere Umgebung Portos. Seit 1902 gab es eine kleine Schülerbibliothek.
Zum Jahresende 1909 beschloss die Generalversammlung die Aufnahme von nichtdeutschen Kindern gegen Zahlung eines höheren Schulgeldes, im Einzelfall hatte der Schulvorstand das letzte Wort. Deutschkenntnisse dieser Kinder waren nicht erforderlich, in den höheren Klassen musste dagegen eine Aufnahmeprüfung bestanden werden. Am 31. März 1911 verzeichnete die Deutsche Schule 11 portugiesische Kinder, ein Jahr später waren es 19 portugiesische, 4 schweizerische und 2 österreichische Kinder, dazu kamen 1 norwegisches und 1 französisches Kind unter insgesamt 53 Schülern.
Im Herbst 1911 zog die Deutsche Schule wegen der besseren räumlichen Verhältnisse in ein Gebäude in der Rua da Breyner 112, in der gleichen Straße befand sich im Haus Nr. 65 auch der Deutsche Verein, der am 27. Januar 1909 – Kaisergeburtstag – gegründet worden war. An diesem Datum wurde jährlich ein Fest veranstaltet, an dem die meisten Mitglieder der deutschen Kolonie teilnahmen. Der Schulleiter der Deutschen Schule hielt eine Rede, Schüler boten Musikdarbietungen, Gedichtvorträge und Tänze, für die Kleinen gab es Kasperletheater und Zauberkunststücke. Als der deutsche Kronprinz am 8. Juni 1905 Hochzeit feierte, unternahm die deutsche Kolonie einen festlichen Ausflug entlang des Douro-Flusses bis zum Rio Leça in besonderen elektrischen Wagen. Der Deutsche Verein wurde Mittelpunkt für viele kulturelle und soziale Veranstaltungen. Der Schulvorstand beschloss auf einer Sitzung am 04. Oktober, dass zwei seiner Mitglieder „von Zeit zu Zeit, ohne Voranmeldung, dem Unterricht an der Deutschen Schule beiwohnen konnten“.
Aus der Entfernung zum Herkunftsland erklärt sich das Bemühen vieler Mitglieder der deutschen Kolonie in Porto, an den Traditionen, an weltlichen und kirchlichen Gebräuchen festzuhalten, die die Verbundenheit mit der Heimat ausdrückten. Die Gratwanderung zwischen dem Aufrechterhalten der Eigenart in einem fremden Land und einem national geprägten Denken der Deutschen war schmal. So waren Feiertage national, auch dynastisch geprägt: Am 27. Januar feierte man des Kaisers Geburtstag, am 18. November den Gründungstag des Deutschen Reichs. Der Festakt zum Kaisergeburtstag im Kriegsjahr 1915 wurde von den Chronisten so festgehalten:
Die höchste Schülerzahl wurde mit 61 Kindern im Schuljahr 1912/1913 erreicht, bei Ausbruch des 1. Weltkrieges waren es noch 53. Im Herbst 1914 zogen die Deutsche Schule und die Kirchengemeinde wegen der hohen Mieten erneut um. Am 1. Oktober 1914 wurde der Unterricht in der Rua da Boavista, 555 aufgenommen, wegen des herrschenden Lehrermangels musste man mehrere Klassen zusammenlegen. Nach dem Kriegseintritt Portugals wurden im März 1916 alle Deutschen und deren Abkömmlinge bis zur dritten Generation innerhalb kurzer Zeit interniert oder ausgewiesen, ihr Besitz wurde konfisziert. Viele flüchteten in die spanische Stadt Vigo, einige blieben im grenznahen Tuy (Tuí) am Minho-Fluss, andere Deutsche zogen nach Madrid und Barcelona. 1916 brach das Schulleben der deutschen Schule zu Porto ab. Der ehemalige Schulleiter Geys übernahm in Vigo einen Teil des Unterrichts, Fräulein Auguste Münch, die ehemalige Leiterin der Hafeschen Mädchenschule in Porto. unterrichtete Französisch, eine vormalige Hauslehrerin übernahm den Englischunterricht. Familie Jordan aus Lissabon vermietete zwei Zimmer ihres Hauses an die kleine Exilschule. Fünf Klassen saßen gemeinsam an einem großen Tisch, für Klassen, die gerade keinen Unterricht erhielten, gab es „stille Arbeit“. In Vigo lag während der Kriegsdauer ein deutscher Kabeldampfer, ein Ingenieur des Schiffes bot sich für den Physikunterricht an. Nach Kriegsende durften die Deutschen wieder nach Porto zurückkehren, der Unterricht wurde zunächst privat bei den Familien Burmester und Höfle in Porto und Foz do Douro in kleinen Gruppen aufrechterhalten.
Nach der Schließung im Jahre 1916 vergingen bis zur Neugründung der Deutschen Schule zu Porto im Mai 1922 weitere sechs Jahre.

1901-1920
1921-1930
1931-1945
1946-1960
1961-1970
1971-1980
1981-1990
1991-2001