5 Texte
Text 1
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Dezember deutlich schwächer gestiegen als in den Vorjahren. Bereinigt um die üblichen jahreszeitlichen Effekte ging sie sogar zurück.
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Dezember um 75.000 auf 4.606.000 gestiegen.
Das war der geringste saisonale Anstieg in einem Dezember seit der Wiedervereinigung. Der Vorjahresabstand hat sich binnen Monatsfrist nahezu halbiert.
Er beträgt jetzt noch 142.000. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,2 Punkte auf 11,1 Prozent.
Süddeutsche Zeitung, 4. Januar 2006
Text 2
Viele Sparer entscheiden sich für eine monatliche Zusatzrente und zahlen dafür einmalig einen Betrag ein. Solche Sofortrenten gelten als unkompliziert und sicher, aber auch als ertragsschwach.
Wer sich mit Geldfragen schwer tut, sich auch im Alter möglichst nicht darum kümmern will und absolut kein Risiko eingehen will, ist mit einer privaten Rentenversicherung gegen Einmalzahlung gut bedient.
Der Kunde überweist auf einen Schlag zum Beispiel 50.000 Euro, 100.000 Euro oder noch mehr an die ausgewählte Gesellschaft und erhält dann ab dem vereinbarten Auszahlungstermin bis ans Lebensende eine Rente.
Der große Vorteil dabei: Die Rentenzahlung gibt es sogar dann noch, wenn die an den einzelnen Versicherten gezahlten Renten insgesamt höher ausfallen als sein Einmalbetrag. Bei der Stiftung Warentest heißt es deshalb: ¸¸Rentenversicherte, die steinalt werden, haben ein gutes Geschäft gemacht".
Süddeutsche Zeitung, 4. Januar 2006
Text 3
Der Durchschnitts-Angestellte hat im vergangenen Jahr 11,5 Arbeitstage wegen Krankheit gefehlt. Alarmierend: Psychische Störungen sind die einzige Krankheitsart, bei der die Fehltage angestiegen sind.
Der Krankenstand ist in Deutschland auf ein historisches Tief gesunken. 2005 wurden nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums 3,3 Prozent der Arbeitnehmer krankgeschrieben. Dies ist der niedrigste Stand seit Einführung der Lohnfortzahlung 1970. In den siebziger Jahren lag die Quote bei mehr als 5 Prozent, in den achtziger Jahren zwischen 4,4 und 5,7 Prozent. 2004 betrug sie 3,4 Prozent. Der niedrige Krankenstand führt einer Ministeriumssprecherin zufolge "zu einer deutlichen Entlastung der Arbeitgeber durch sinkende Lohnnebenkosten". Bereits 2004 hätten sich die Kosten der Lohnfortzahlung um eine Milliarde Euro vermindert. Der Trend habe sich 2005 fortgesetzt.
Süddeutsche Zeitung, 4. Januar 2006
Text 4
Große Gewinne hat der Fahrkartenverkauf für die öffentlichen Verkehrsmittel den Kioskbetreibern noch nie eingebracht. Nun sorgt ein neuer Vertrag für Unmut, der den Kleinunternehmern mehr Fixkosten bei geringerer Provision beschert. Einige wehren sich mit Boykott, andere stecken in der MVG-Zwangsjacke.
„Das ist eine Schande für München“, ärgert sich Sabine Eggert vom Kiosk am Karlsplatz, „die haben sich mit uns jahrelang eine Servicestelle gespart – und jetzt das.“ Seit 1972 verkauft Eggerts Betrieb in der Fußgängerzone neben Postkarten, Zeitungen und Souvenirs Fahrkarten. Die Beratung gab es kostenlos dazu.
Was die Gemüter der Kioskbetreiber vor allem erhitzt, ist ein Wertmarkendrucker, den die meisten von ihnen nur „die Maschine“ nennen. Das Gerät erfasst sämtliche Verkäufe am Kiosk und bucht diese sofort online ab. Zusätzlich liefert es Informationen rund um U- und S-Bahn, welche die Verkäufer an ihre Kunden weitergeben sollen. Auch das Angebot an Fahrkarten soll damit erweitert werden können. Bislang stellte die MVG das Gerät kostenlos zur Verfügung.
Süddeutsche Zeitung, 4. Januar 2006
Text 5
Wie die Falcones aus Kalabrien seit Generationen immer wieder nach Deutschland zogen - und warum sie bedauern, nicht geblieben zu sein. Eine Geschichte über Glück und Heimat, von Orten unabhängig.
Vincenzo Dante Falcones Finger fliegen über die Tasten. Die Fisarmonica schreit die "Calabrisella" heraus. Das alte kalabrische Volkslied hallt durch alle sechs Stockwerke des Mietshauses und hinaus auf die Straße nach Catanzaro Lido. "So klingt ein gutes Konzertakkordeon!", ruft Vincenzo Dante.
Der 72-Jährige packt das Instrument, presst die Knöpfe und lässt den Schneewalzer erschallen, darauf folgt ein bayerischer Landler. Seine Frau Adele kommt mit einem Pack Spaghetti für das Mittagessen in der Hand ins Zimmer, um ihren Mann zu bremsen.
Süddeutsche Zeitung, 4. Januar 2006