1. Aufgabe der
Funktionsverben
Funktionsverben üben vorwiegend eine grammatisch-syntaktische Funktion aus.
Das bedeutet: die Funktionsverben sind wichtig für die grammatische Struktur (Modus, Tempus, Person), aber
nicht so wichtig für dieBedeutung des Funktionsverbgefüge.
Beispiel: Freundschaft
schließen
Funktionsverb „schließen“: verantwortlich für Modus,
Tempus, Person
Funktionsnomen „Freundschaft“: wichtig für die Bedeutung dieses FVG
2. Negation +
Funktionsverben
Die Negation wird in
der Regel mit ‘nicht’ gebildet!
Sie war nicht in der Lage, den Fehler zu korrigieren.
Sie war in keiner Lage, den
Fehler zu korrigieren.
Bei Funktionsverbgefügen, die keinen Artikel haben (Nullartikel),
wird jedoch mit ‘kein’ negiert!
Beispiele: Kritik üben,
Bescheid geben, Platz nehmen...
Es wurde nicht Kritik geübt.
Es wurde keine Kritik geübt.
3. Bedeutung der
Funktionsverben
Die Funktionsverben (also die Verben in einem
Funktionsverbgefüge) drücken allein nicht oder nur sehr eingeschränkt die
Bedeutung des Prädikats aus.
Die Funktionsverben sind eher den Hilfsverben ähnlich, sie funktionieren nicht wie andere Vollverben.
Sie funktionieren nur in Verbindung mit Nomen und anderen fakultativen
Elementen (Artikel, Präpositionen) und bilden nur zusammen
mit dem Nomen eine sinnvolle Einheit.
4. Bedeutung des
Nomens im Funktionsverbgefüge
Erst in Verbindung mit einem bedeutungstragenden
Substantiv <Akkusativ oder Präpositionalgruppe>
wird die volle Bedeutung des Prädikats
ausgedrückt.
Das Nomen ist das Wort innerhalb eines FVG, das für die Bedeutung dieses FVG am wichtigsten ist!!! In den
beiden Beispielen haben die Verben „bringen“ und „stellen“ fast keine inhaltliche Bedeutung!
etwas zur Sprache bringen
jdm. eine Frage stellen
5. Satzstellung
Das Verb steht im Hauptsatz natürlich an zweiter Position, der Rest des FVG steht in der Tendenz am Satzende.
Er fand mit seinen Vorführungen große Beachtung.
Der Kollege fand bei seinem Chef für seine Arbeit gute Anererkennung.
Er machte gestern in der Firma die Bekanntschaft eines neuen
Kollegen.
Anmerkung: Das Nomen „Bekanntschaft“ steht nicht am Satzende, weil das FVG „Bekanntschaft
schließen“ eine Genitivergänzung (Egen) hat, die nach dem FVG stehen muss.
6. Ein FVG ersetzen?
Oft kann so ein FVG durch ein
Vollverb ersetzt werden.
raten – einen Rat
geben
beauftragen
– den
Auftrag geben
Ich gebe
dir den Auftrag, diese Päckchen zur Post zu bringen.
Ich beauftrage
dich, diese Päckchen zur Post zu bringen.
Einige Funktionsverbgefüge lassen sich nur zum Teil übertragen. Das FVG „Hilfe leisten“ bedeutet zum Beispiel
nur sehr eingeschränkt „helfen“. Man “leistet Hilfe“ vor allem bei Unfällen,
schweren Unglücken. Wenn jemand aber einer Person bei der
Hausarbeit oder den Hausaufgaben hilft, dann kann das FVG „Hilfe leisten“ nicht verwendet werden.
Bei dem Unfall leistete er erste Hilfe.
Kannst du mir bei den Hausaufgaben helfen?
Manche FV-Gefüge lassen sich jedoch durch ein Vollverb nur unzureichend oder gar nicht ersetzen.
jdm. etw. zur Verfügung stellen
jdm. etw. zeitweise geben
ein Geschäft abschließen
7. Wann benutzt man
ein FVG?
FV-Gefüge werden hauptsächlich in
der geschriebenen Sprache verwendet:
¨ besonders in der Sprache der Verwaltung,
¨ in der Presse
¨ und in wissenschaftlichen Texten.
8. FVG in der gesprochenen
Sprache
Einige FV-Gefüge sind
jedoch auch in der gesprochenen Sprache sehr
geläufig.
Abschied nehmen – einen Rat geben – jdm. eine Frage stellen – Kritik üben an – Freundschaft
schließen …
Bei nominalen Fügungen
dieser Art ist zu beachten, dass sie in manchen Fällen mehr aussagen als die entsprechenden einfachen
Verben, unsere Ausdrucksmöglichkeiten also bereichern.
Manchmal können diese
beiden Ausdrücke synonym verwendet werden. Manchmal
jedoch nicht. Das FVG ist die entschiedenere, vielleicht auch konzentriertere
Wahl. Wenn jemand sagt:
Ich habe meine Wahl
getroffen.
Dann bedeutet es: Ich habe mich endgültig entschieden.
Wenn man diesen Beispielsatz mit dem einfachen Verb „wählen“ ausdrücken würde, hätte der
Satz eine schwächere, nicht so entschiedene Bedeutung.
So liegt etwa in der Fügung „zu der Erkenntnis kommen“ gegenüber dem Verb erkennen
►
eine größere zeitliche Abstufung
►
oder ein größerer Nachdruck in der Aussage.
Martin kam zu der Erkenntnis, dass er sich gegenüber seiner
Mutter nicht richtig verhalten hatte.
Martin
erkannte, dass er sich gegenüber seiner
Mutter nicht richtig verhalten hatte.
Wenn Martin „zu dieser Erkenntnis kommt“, dann bedeutet es, er musste länger und intensiver darüber nachdenken, und erst dann bemerkte er, dass sein Verhalten nicht
korrekt war.
Wenn Martin „erkennt“, dann vermutlich schon direkt
in der Konfliktsituation mit der Mutter, wie unkorrekt sein Verhalten
war.
11. Passivische
Ausdrucksweise
Andere FVG bieten die Möglichkeit, eine passivische Sehweise auszudrücken, z.B.:
zur Verteilung gelangen bedeutet „verteilt
werden“.
Diese (passivischen) Ausdrücke sind typisch für die
(geschriebene) Beamtensprache und kommen in der gesprochenen Sprache so gut wie
nie vor. Sie werden - zu Recht - in der Regel als 'schlechtes Deutsch'
abqualifiziert.
vergl.: Duden - Wörterbuch der sprachlichen
Zweifelsfälle, Mannheim 1985, S.
496
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Kind / Ulrich Kamien