Universität Porto
Deutsch III
Anette Kind/Ulrich Kamien
Kubus 50 (Film 1): Wege zu neuer Arbeit (Länge ca. 13 Minuten)
Studenten-Arbeitsblatt
Lesen Sie sich die Hintergrundinformationen durch. Beantworten Sie dabei folgende Fragen:
Hintergrundinformation
In Deutschland sind die örtlichen Arbeitsämter für die Vermittlung von
Arbeitslosen zuständig. Doch die insgesamt 8.500 Arbeitsvermittler der
Arbeitsämter sind mit rund 4 Millionen Arbeitslosen überfordert. Zusätzlich
zur Arbeitsvermittlung hat das Arbeitsamt weitere Aufgaben. So wird dort
auch der Anspruch auf Arbeitslosengeld des jeweiligen Klienten geprüft oder
vorübergehend der Lohn der Arbeiter im Konkursfall eines Unternehmens
ausgezahlt.
Die historischen Wurzeln der heutigen Arbeitslosenversicherung liegen im 19.
Jahrhundert. Arbeitervereine machten sich damals dafür stark, die Arbeiter
in Notzeiten abzusichern. In den 80er Jahren wurde dann unter Bismarck eine
umfassende Sozialgesetzgebung verabschiedet, die erstmals eine Versorgung
bei Krankheit, Unfall und im Alter vorsah. In der Weimarer Republik wurde
ein Gesetz über die Arbeitslosenversicherung verabschiedet, 1927 entstand
die "Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung".
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1952 die Bundesanstalt für Arbeit
gegründet, in deren Verwaltung Arbeitgeber und Gewerkschaften und Bund,
Ländern und Gemeinden vertreten sind (paritätische Selbstverwaltung) und
unter deren Zuständigkeit alle deutschen Arbeitsämter fallen.
Heute erhalten Arbeitslose Arbeitslosengeld, wenn sie mindestens 18 Monate
vor ihrer Arbeitslosmeldung einer beitragspflichtigen Beschäftigung
nachgegangen sind. In diesem Zeitraum haben sie einen Teil ihres Einkommens
in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Auch die Arbeitgeber zahlen in
diese Arbeitslosenversicherung ein, zu jeweils gleichen Teilen wie die
Arbeitnehmer. Dauer und Höhe des Arbeitslosengeldes richtet sich nach der
Länge der Beschäftigung und dem monatlichen Durchschnittslohn.
Die Zahl der Arbeitslosen blieb in den vergangenen Jahren konstant hoch.
Dies ist gesellschaftlich ein gravierendes Problem. Daher gibt es in
Deutschland eine Diskussion um Reformen und eine Reihe von Vorschlägen, die
Vermittlung der Arbeitslosen effektiver zu gestalten.
Private Arbeitsvermittler
Bereits seit 1994 sind in Deutschland private, also gewerbliche Arbeitsvermittler zugelassen. Diese Personalvermittler ergänzen das Vermittlungsangebot der Arbeitsämter, da sie Aspekte zu berücksichtigen versuchen, die zugleich den Bewerbern und den Unternehmen zugute kommen: Die Suche nach einem "passenden" Bewerber ist für die Unternehmen sehr arbeits- und zeitintensiv. Private Arbeitsvermittler ersparen den Unternehmen z.B. durch Bewerbervorauswahl, Bewerbertests, Erstellung eines Bewerberprofils Zeit und Geld. Auf der anderen Seite eröffnet die private Vermittlung dem Bewerber bei seiner Stellensuche zusätzliche Chancen, durch z.B. individuell angepasste Eignungstests. Auf diese Weise findet der Bewerber eher eine Stelle, die auch wirklich seinen beruflichen Qualifikationen entspricht.
Vermittlungsgutschein
Arbeitslose können seit dem 1. April 2002 einen Vermittlungsgutschein vom Arbeitsamt bekommen. Sie können sich damit an einen privaten Vermittler ihrer Wahl wenden. Erst für eine erfolgreiche Vermittlung erhält der private Vermittler das Honorar, das der Gutschein verheißt.
Die Hartz-Kommission
Eine Kommission um den VW-Personalchef Peter Hartz hat im Frühjahr 2002 im Auftrag der Bundesregierung ein Konzept für Reformen am Arbeitsmarkt erarbeitet. Die Kommission spiegelt in ihrer Zusammensetzung die gesamte gesellschaftliche Breite wider. Seit August 2002 liegt der 350 Seiten lange Bericht der Kommission vor. Das Ziel: Die Arbeitslosigkeit halbieren und die Ausgaben dafür senken. Vieles soll anders werden: Erwerbslose sollen als Leiharbeiter eingesetzt, sie sollen schneller vermittelt und die Selbstständigkeit soll gefördert werden. Wie erfolgversprechend diese und andere Vorschläge sind, wird die Zukunft zeigen.
Goethe-Institut 2002
Aufgabe 1: Textverständnis
1. Welches Problem haben die Arbeitsvermittler mit den rund 4 Millionen Arbeitslosen? ________________________________________________________________
2. Was umfasste die Sozialgesetzgebung Ende des 19. Jahrhunderts? ________________________________________________________________
3. Welchen Namen erhielt die "Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung" nach dem Krieg? ________________________________________________________________
4. Wer zahlt Beiträge in die Arbeitslosenversicherung? ________________________________________________________________
5. Wie hoch ist das Arbeitslosengeld und wie lange wird es bezahlt? ________________________________________________________________
6. Wie entwicklte sich die Arbeitslosenzahl in den vergangenen Jahren? ________________________________________________________________
7. Welches besondere Problem haben Unternehmer bei der Suche nach einem Bewerber für eine freie Stelle? _________________________________________________________________
8. Welche Aufgaben übernehmen private Arbeitsvermittler? _________________________________________________________________
9. Wer bekommt einen Vermittlungsgutschein? __________________________________________________________________
10. Welche Aufgabe hatte die Hartz-Kommission? __________________________________________________________________
11. Welches Ziel hatte die Kommission? __________________________________________________________________
Aufgabe 2: Hörverständnis - Stimmt das? Wird das so im Text gesagt?
(Wenn Sie wollen, teilen Sie sich den Text in drei Abschnitte ein!
Abschnitt 1: bis zum ersten Statement von Prof. von Lühe (Fragen 1- 6)
Abschnitt 2: bis zum zweiten Satement von Prof. von Lühe (Fragen 7-11)
Abschnitt 3: bis zum Ende (Fragen 12-16)
1. qja qnein - Hamburg hat ein vielfältiges Berufsleben.
2. qja qnein - In Hamburg sind rund 4 Millionen Menschen arbeitslos.
3. qja qnein - Viele Leute haben schon alle Hoffnung verloren, wenn sie zum Arbeitsamt gehen.
4. qja qnein - Wenn man Arbeitslosengeld bekommen will, muss man vorher mindestens 18 Monate gearbeitet haben.
5. qja qnein - Ein privater Arbeitsvermittler bekommt eine Erfolgsprämie, wenn er einem Arbeitslosen einen Job vermittelt hat.
6. qja qnein - Professor Dr. Rolf von Lühe bezeifelt, dass das System mit den Vermittlungsscheinen funktioniert.
►►► ENDE ERSTER ABSCHNITT
7. qja qnein - Alle Arbeitslosen, die zu privaten Vermittlern gehen, müssen psychologische Eignungstests machen.
8. qja qnein - Tilo Meyer hatte seine Arbeit verloren, weil er einen Unfall hatte.
9. qja qnein - Herrr Meyer, der früher in einer Spedition gearbeitet hat, hat jetzt einen Arbeitsplatz auf einem Schiff im Hamburger Hafen.
10. qja qnein - Tilo Meyer spürt auch an der Reaktion der Menschen aus seinem Umfeld, dass man mit einem Job eher akzeptiert wird als ohne.
11. qja qnein - Der Soziologe von Lühe behauptet, dass man sich in Deutschland auch nach vielen Jahren Arbeitslosigkeit kulturelle Veranstaltungen leisten kann.
►►► ENDE ZWEITER ABSCHNITT
12. qja qnein - In einer S-Bahn-Station unter dem Hamburger Rathaus sind 29 Menschen arbeitslos geworden.
13. qja qnein - Die Geschäfte werfen sogar Gewinne ab.
14. qja qnein - Frau Braasch sagt, dass man genau hinschaut, wie jemand bei diesem Projekt mitmacht.
15. qja qnein - Professor von Lühe weist darauf hin, dass man in der heutigen Zeit nicht mehr davon ausgehen kann, ein Leben lang das zu machen, was man einmal gelernt hat.
16. qja qnein - Die Zukunft wird zeigen, dass die Reformvorschläge erfolgreich sein werden.