Übung 1: Präfix

Zurück zur Startseite Präfix

Zurück zur 1. Seite

 

Verben mit Präfix

1. Verben mit nichttrennbarem Präfix

Welche wichtigen nichttrennbaren Präfixe gibt es überhaupt?

ver- (45%)

jemandem etwas verbieten,         etwas vergessen

meist AKK

be-   (25%)

jemandem etwas befehlen,     etwas behaupten

(DAT) AKK

ent- (15%)

jemandem entlaufen,                      etwas/jemanden entdecken

DAT (AKK)

er-   (10%)

jemandem etwas erzählen,         jemanden/etwas erkennen

meist AKK

emp-

jemamdem etwas empfehlen,     jemanden/etwas empfangen

 

ge-

jemandem gefallen, jemandem gehören,   etwas genießen

oft DAT

miss-

jemandem missfallen, jemanden misshandeln, etwas missverstehen

 

zer-

etwas/jemanden zerstören,      etwas zerbrechen

meist AKK

 

95 % aller nichttrennbaren Präfixe

Die Präfixe  „ver-“, „be-“, „ent-“ und „er-“ sind die mit Abstand meistgebrauchten nichttrennbaren Präfixe. Circa 95 % aller Verben mit nichttrennbarem Präfix fangen mit einer dieser vier Vorsilben an.

 

Weniger als 5 %

Die Gruppe der Präfixe „emp-“, „ge-“, „zer-“, „miss-“ sowie „fehl-“, „re-“, „de-“ und „in-“ macht weniger als 5% aller Verben mit nichttrennbarem Präfix aus.

 

Neue Bedeutung

Die Vorsilben geben dem Verb eine neue Bedeutung, die man oft aus dem Stammverb nicht ableiten kann.

Beispiel: suchen - besuchen - versuchen

 

Kein eigenes Stammverb mehr

Einige Verben mit einer untrennbaren Vorsilbe haben kein eigenes Stammverb mehr.

Beispiel: erobern, vergessen

 

Das „ge-“ fällt weg

Beim Partizip Perfekt der Verben mit nichttrennbarem Präfix fällt das ge- weg.

                           Beispiel: erreichen - hat erreicht

vergessen - hat vergessen

gefallen - hat gefallen

Verwechseln Sie aber nicht die Verben fallen (cair) und gefallen (agradar).

fallen: er fällt - fiel - ist gefallen

gefallen: es gefällt - gefiel - hat gefallen

 

Grundverben werden modifiziert

Die Präfixe „er-“ + „ver-“ modifizieren die Grundverben meist nur. Das heißt: Die Abwandlung ist lediglich grammatisch und/oder semantisch bzw. stilistisch-pragmatisch. (Duden-Grammatik § 734)

Beispiele einer grammatischen + semantischen Modifikation:

¨     blühen - erblühen

Die Blumen blühen.

Die Maiglöckchen erblühen Anfang Mai.

¨     reisen - verreisen

Ich reise nach Deutschland.

 Ich verreise morgen.

¨     drohen <+Dat>- bedrohen <+ Akk>

Ich drohe dir.

Ich bedrohe dich.

¨     frieren - erfrieren;

Mir ist kalt: ich friere.

Der Bergsteiger ist am Mount Everest erfroren.

¨     leihen - entleihen [ausleihen]

Ich leihe dir meinen Regenschirm. 

Ich habe (mir) aus der Bibliothek ein Buch entliehen.

 

Zeitliche Differenzierung

¨     aufblühen - blühen - verblühen

Zuerst blüht die Blume auf (sie öffnet sich),

dann blüht sie (in ihrer Blütezeit)

und am Ende verblüht sie (geht sie kaputt).

 

Zur näheren Bedeutung der untrennbaren Präfixe seien

die §§ 744ff in der Duden-Grammatik <Mannheim 1984> empfohlen.

 

 

II. Die trennbaren Verbteile = Halbpräfixe

Die in der folgenden Tabelle genannten Partikeln werden auch als Halbpräfixe bezeichnet.

Sie können vom Verbstamm getrennt werden: trennbare Verben!!!

Meist sind diese Halbpräfixe Präpositionen oder andere Wörtchen, die auch alleine eine eigenständige Bedeutung haben.

Zu dieser Gruppe gehören:

 

ab-

abfahren, abholen, abmachen

 

 

an-

anschalten, ansehen, anfühlen

 

 

auf-

aufmachen, aufbringen, aufsagen

 

 

aus-

ausschalten, aussprechen, ausgehen

 

 

bei-

beistehen, beiwohnen, beikommen

 

 

ein-

einkaufen, einleben, einstecken

 

 

entgegen-

entgegenfahren, entgegenkommen

 

 

fest-

feststellen, festschrauben, festlegen

 

 

hin-

hinfallen, hinfliegen, hinhören

 

 

her-

herholen, herkommen, herzeigen

 

 

los-

losgehen, loslösen, loslassen

 

 

mit-

mitbringen, mitreden, mitdenken

 

 

nach-

nachblicken, nachäffen, nachspionieren

 

 

vor-

vorlaufen, vorsprechen, vorstehen

 

 

weg-

weglaufen, wegfallen, wegessen

 

 

zu-

zusagen, zuprosten, zugehen

 

 

zurecht-

zurechtschneiden, zurechtlegen

 

 

zurück-

zurückkommen, zurückweisen

 

 

zusammen-

zusammensetzen, zusammenlaufen

 

 

Wann wird getrennt?

Trennbare Verben werden nur in Hauptsätzen und dann auch nur im Präsens und Präteritum getrennt, und auch dann nur, wenn sie ohne ein anderes Verb (Modal- oder Hilfsverb) arbeiten.

Präsens:

Präteritum:

mit Modalverb:

mit Hilfsverb:

 

Ich mache die Tür auf.

Ich machte die Tür auf.

Ich will die Tür aufmachen.

Ich werde die Tür aufmachen.  

Ich habe die Tür aufgemacht.

 

Partizip II mit „ge-“ in der Mitte

Die trennbaren Verben bilden ihr Partizip II in der Regel mit ge-.

zusammenzählen - hat zusammengezählt

ankommen - ist angekommen

 

Partizip II ohne „ge-“ in der Mitte

Es gibt aber auch Verben mit zwei Präfixen, einem trennbaren und einem untrennbarem Präfix. Dann gibt es näturlich kein „ge-“ im Partizip II.

anvertrauen - hat anvertrau

nacherzählen - hat nacherzählt

Natürlich fehlt auch bei allen Verben auf „-ieren“, ob mit oder ohne Präfix, das „ge-“ im Partizip II.

 einstudieren - hat einstudiert

abrasieren - hat abrasiert

 

III. Präfixe, die trennbar und untrennbar sind

Es gibt drei Möglichkeiten, die trennbaren von den untrennbaren Verben zu unterscheiden.

Möglichkeit 1: Die Betonung

Manche Vorsilben können sowohl trennbar als auch untrennbar sein. Um festzustellen, ob ein Wort trennbar ist oder nicht, sollte man vor allem auf die Betonung achten. Wird die Vorsilbe betont, dann haben wir es mit einem trennbaren Verb zu tun.

Beispiel: wiederholen:  Sie haben den Film im Fernsehen wiederholt.

wiederholen: Ich habe mir das Buch von Mike wiedergeholt.

 

<Diese Methode erweist sich in der Regel für Nicht-Muttersprachler als sehr schwierig!>

 

Möglichkeit 2: Abwandlung des Stammverbs?

Ein trennbares Verb kann von einem untrennbaren Verb auch dadurch unterschieden werden, dass bei dem einen Verb, nämlich dem trennbaren, die Vorsilbe das Stammverb nur abwandelt.

Beispiel: holen - erneut holen = wiederholen

In diesem Fall wird das Verb „holen“ durch das Präfix modifiziert.

 

Das untrennbare Verb ist daran zu erkennen, dass durch die Vorsilbe ein neues Wort entsteht, das von der Verbstammbedeutung relativ unabhängig ist.

Beispiel: holen - etwas noch einmal machen = wiederholen

In diesem Fall bekommt das Verb „holen“ zusammen mit dem Präfix einen vollkommen neuen Sinn, der mit der Bedeutung des Verbs „holen“ (fast) nichts mehr zu tun hat.

 

Möglichkeit 3: Unterscheiden lernen

Die für Sie beste Unterscheidungsmöglichkeit ist: Merken Sie sich, welche Präfixe trennbar sind und welche Präfixe untrennbar sind.

Merken Sie sich vor allem die sieben Präfixe in der unten stehenden Tabelle, auf die sowohl trennbare wie auch untrennbare Verben folgen können. Aus dieser Gruppe sollten Sie viele Verben als Vokabeln lernen, nämlich vor allem diejenigen, die Sie zur eigenen Textproduktion brauchen. Lernen Sie diese Verben auswendig, natürlich so, dass Sie immer sofort wissen, ob dieses Verb trennbar oder untrennbar ist.

<Eine Liste mit den wichtigsten Verben dieser Gruppe finden Sie im Kapitel „Präfix“ unseres Arbeitsbuches!>

 

Vorsilben für sowohl trennbare und auch untrennbare Verben:

 

Trennbare Verben

P II mit ge-

Untrennbare Verben

P II ohne ge-

 

 

über-

übersetzen, überkochen

übersetzen, überlegen

 

 

durch-

durchsehen, durchstreichen

durchschauen

 

 

um-

umfahren, umdrehen

umfahren

 

 

unter-

untergehen

untersuchen, unterstreichen

 

 

voll-

vollmachen

vollbringen, vollenden

 

 

wider-

widerspiegeln

sich widersetzen, widersprechen

 

 

wieder-

wiederholen, wiedergeben

wiederholen

 

 

Betonung auf

Präfix

Betonung auf

Verbstamm

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Rechtschreibreform:

Achtung bei der Vorsilbe „wieder-“:

In Verbindung mit Verben gilt Zusammenschreibung vor allem dann, wenn „wieder“ im Sinne von ‘zurück’ verstanden wird.

wiedergeben, wiederbringen

Zusammen schreibt man außerdem, wenn das Verb allein im gegebenen Zusammenhang unüblich wäre.

wiederkäuen, wiedergeben

Dagegen schreibt man in den anderen Fällen meist (nicht immer!!!) getrennt, vor allem wenn „wieder“ im Sinne von ‘nochmals, erneut’ verstanden wird.

wieder aufbauen, wieder erkennen  

Übung 1: Präfix

Zurück zur Startseite Präfix

Zurück zur 1. Seite

    

© copyright Anette Kind/Ulrich Kamien