Übung 1: Negation

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I. Die Satznegation

1. In der Satznegation wird die Gesamtaussage des Satzes negiert; hierbei wird „nicht“ dem Verb zugeordnet. Das bedeutet: „nicht“ steht möglichst weit am Ende des Satzes.

   

 

2. Besteht das Prädikat nur aus einem Verbteil, steht „nicht“ in einem Hauptsatz am Satzende. Besteht es aus mehreren Teilen, steht „nicht“ i.d.R. <in der Regel> vor dem infiniten Verbteil.

Beispiele: Er holt das Bier nicht.

Er hat das Bier nicht geholt.

 

 

3. Wird das Verb durch weitere Angaben ergänzt, so steht die Negation vor der Verbergänzung.

 

siehe: Duden - Bd. 4; Die Grammatik;

Mannheim/Wien/Zürich 1984, S. 639ff

Verbergänzungen sind zum Beispiel

Beispiele:

Sie sieht heute nicht  gesund aus.

Ich habe heute noch nicht Fußball gespielt.

Meine Mutter wollte heute nicht zum Strand fahren.

 

4. Bei Verben mit Präpositionen (denken an, sich erinnern an) steht die Negation vor den Präpositionalobjekten.

  <siehe Abschnitt VI.: Satzstellung>

Beispiele:

Der Arzt hat sich nicht um seine schwerkranke Patientin gekümmert. 

Glaub mir, ich habe wirklich nicht daran gezweifelt.

 

5. Übrigens kann „nicht“ nie allein an erster Stelle stehen, nur in Verbindung mit einem anderen Satzglied.

 

   

Beispiele:

Der Lift funktioniert nicht.

aber nicht: Nicht funktioniert der Lift.

möglich: Nicht dieser Lift funktioniert, sondern dieser hier. <Satzgliednegation!>

 

6. Bei trennbaren Verben steht „nicht“ vor dem zweiten Verbteil, also vor dem vom Verb getrennten Präfix oder vor dem Partizip.

Beispiele:

Ich rufe dich nicht an.

Ich habe sie nicht angerufen.  

   

7. Bei infiniten Formen, die z.B. Bestandteil des Futurs oder Perfekts sind, steht „nicht“ in der Regel vor der infiniten Form.

Beispiele:

Ich werde dich morgen früh nicht anrufen können.

Ich konnte ihm das Paket leider nicht bringen.

Ich habe das Schild wirklich nicht gesehen, Herr Wachtmeister!

   

8. Bei Verben, auf die Nomen und präpositionale Ergänzungen folgen, wird in der Satznegation i.d.R. das Nomen mit „kein“ negiert.

Beispiele:

Guterres fand bei der Opposition keine Unterstützung für seine Pläne.

Die Studentinnen haben kein Interesse an noch mehr Büchern.

Die Erwachsenen hatten keinen großen Anteil daran.

   

9. Wenn Nomen und Verb eine Sinneinheit ergeben, werden sie als Ganzes begriffen, d.h.: Der im Satz an zweiter Stelle dieses Ganzen stehende Teil wird negiert, also das Nomen.

Beispiel: Sie hat selbst kein Glück gehabt und mir auch kein Glück gebracht.

 

Manchmal ist die Verbindung aber nicht so eng, dass Nomen + Verb eine zwingende Sinneinheit ergeben. Dann ist von Fall zu Fall zu entscheiden, meistens hat man dann zwei Optionen. Aber in jedem Fall hängt es vom Kontext ab.

Beispiele:

Sein Auto macht keinen Lärm. Es ist ganz neu.

Unser Auto macht den Lärm nicht. Es muss ein anderes sein.

   

 

II. Satzgliednegation oder Sondernegation

Werden einzelne Teile eines Satzes negiert, nicht aber die Gesamtaussage des Satzes, dann steht die Verneinung vor dem negierten Satzteil.

 

Beispiele:

Ich fahre heute mit Karin im Auto nach Coimbra.

 

Nicht ich fahre heute mit Karin im Auto nach Coimbra, sondern Eva.

 

Ich fahre nicht heute mit Karin im Auto nach Coimbra, sondern morgen.

 

Ich fahre heute nicht mit Karin im Auto nach Coimbra, sondern mit Frank.

 

Ich fahre heute mit Karin nicht im Auto nach Coimbra, sondern mit dem  Zug.

 

Ich fahre heute mit Karin im Auto nicht nach Coimbra, sondern nach Porto.

 

Ich fahre heute nicht mit Karin im Auto nach Coimbra, sondern ich fliege.

 

Beachten Sie den „Falschen Freund“:

sondern aber

 

 

 

III. Zweideutige Negation

Manchmal kommt es auf den Sprecher, besser gesagt auf die Betonung an, was gerade negiert werden soll. Lesen Sie die folgenden Sätze und betonen Sie das jeweils rot geschriebene Wort:

a) Sie ist nicht in der Schule.

b) Sie ist nicht in der Schule.

 

Nicht wahr, das sind zwei verschiedene Sachverhalte, grammatisch korrekt und doch - wenn man es nur liest - missverständlich.  

In Satz a) ist die Person zur Zeit nicht in der Schule. Sie ist irgendwo anders, vielleicht in einem Café oder zu Hause.

In Satz b) ist die Person nicht im Schulgebäude, vielleicht ist sie vor der Schule, in der Nähe der Schule, aber eben nicht innerhalb des Schulgebäudes.

 

Wer ist hier am intelligentesten?

Wie betonen Sie die folgenden Sätze?

c) Er ist nicht sehr intelligent.

d) Er ist nicht sehr intelligent.

e) Er ist nicht sehr intelligent, aber dafür um so sportlicher.

 

Satz c) bedeutet: Der Mann ist relativ dumm.

Satz d) bedeutet: Der Mann ist intelligent, aber kein Genie.

Satz e) bedeutet: Der Mann ist nicht 'übermäßig' intelligent.

Auch hier gilt: Ohne den Sprecher kann man den Satz sehr leicht falsch verstehen. Formuliert man den zweiten Satz schriftlich, muss entweder der Kontext eindeutig sein oder man findet eine andere, unmissverständliche Formulierung.

 

IV. Verstärkte Negation

Die einfache Negation mit „nicht“ oder „kein“ kann mit Partikeln noch verstärkt werden. Zum Beispiel mit:

gar, überhaupt, absolut, bestimmt, sicher …

Das interessiert mich nicht.

Das interessiert mich gar/überhaupt/absolut nicht.  

 

 

V. Zeitliche Modifikation

Die Negation kann mit zusätzlichen Wörtern natürlich auch zeitlich modifiziert werden. Zum Beispiel mit:

Ich muss morgen zum Zahnarzt. Ich komme morgen nicht zum Unterricht.

Ich bin immer noch krank. Ich komme morgen noch nicht zum Unterricht.

Ich fahre morgen schon nach Spanien. Ich komme morgen nicht mehr zum Unterricht.

Ich kann morgen schon nach Spanien fahren, denn ich habe keinen Unterricht mehr.

 

VI. Die Satzstellung

Es gibt komplexe eindeutige Regeln für die Satzstellung von „nicht“. Man kann aber auch zwei Faustregeln formulieren, die da lauten:

1) In der Satzgliednegation steht „nicht“ vor dem zu verneinenden Satzglied.

2) In der Satznegation steht „nicht“ möglichst weit hinten im Satz, aber noch vor jenen Satzgliedern, die enger als das „nicht“ zum Verb gehören: also

VII. Die Negation mit „kein“

Die Negation mit kein wird benutzt:

Beispiel:

 Ich habe ein Auto. - Ich habe kein Auto.

Beispiele:

Ich baue üBrücken. - Ich baue keine Brücken.

Ich stelle üFragen an dich. - Ich stelle keine Fragen an dich.

Beispiel:

Ich mag üSalat. - Ich mag keinen Salat.

ABER: Die Negation mit nicht kann in Ausnahmefällen trotz Nullartikel benutzt werden:

meistens:

seltener: 

seltener:

Ich habe kein Bier im Haus. <nur Wein>

Ich habe nicht ein Bier im Haus. <nicht ein Einziges>

Ich habe nicht ein Auto. <sondern fünf>

 

VIII. „kein“ oder „nicht ein“

Eigentlich ist der wesentliche Unterschied ganz einfach: „nicht ein“ wird dann verwendet, wenn wir die Zahl, also eins, verneinen wollen bzw. das Nichtvorhandensein betonen wollen.

Beispiel:

Sie ist/wird Lehrerin. – Sie wird nicht Lehrerin. Sie ist keine Lehrerin.

 

XI. Andere Negationsformen

mit Verben wie: bestreiten, zweifeln an, verneinen, missverstehen, ablehnen

mit Suffixen bei Adjektiven wie: erfolglos, alkoholfrei, inhaltsleer

mit Präfixen wie: destabilisieren, unwichtig, anormal, abartig, Unsinn …

mit Redewendungen wie: Er hat sich den Teufel darum gekümmert.

Das ist mir zu hoch!

Das sind doch nur kleine Fische!

Als er das Casino verließ, war das ganze Geld zum Teufel.

mit Pronomen wie: niemand, nichts

mit Partikeln wie: weder ... noch    -    nie    -    nie und nimmer   -    niemals   -    nirgends   -    nirgendwo   -    nirgendwoher   -    nirgendwohin   -    keinesfalls   -    keineswegs   -    auf keinen Fall

 

ACHTUNG: Das Wörtchen „kaum“ drückt eine Einschränkung aus und kann nicht negiert werden. Es bedeutet so viel wie „fast nicht“; schließlich kann man auch nicht sagen: „nicht fast nicht“!

Er hat kaum (fast nicht) geschlafen. Er hat kaum etwas (fast nichts) gegessen.

X. Doppelte Verneinung

 

Im Deutschen gibt es in der Regel keine doppelte Verneinung. Wie in der Mathematik aus minus mal minus plus wird, so gilt das auch für die Verneinung.

Kein Einziger ist nicht gekommen.

 

Was bedeutet das? Ist nicht ein Einziger, also wirklich niemand gekommen? Falsch! Denn wenn kein Einziger nicht gekommen ist, dann bedeutet das: Im Gegenteil, alle sind gekommen !

 

Übung 1: Negation

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