Universität Porto

Deutsch III

Anette Kind/Ulrich Kamien

 

Lösungen

 

Fragen zum Text

 

KuBus 67 - Parallele Welten? Muslime in Deutschland

Autor: Kirsten Kummer, Dirk Kämper

 

1. Was wurde mit der Zeit immer deutlicher?

(Zeile 2/3) Dass sie und vor allem ihre Kinder nicht mehr in die Heimat zurückkehren werden.

 

2. Wie viele Türken lebten Anfang der siebziger Jahre in der Bundesrepublik Deutschland?

(Zeile 12-14) 1973 verfügte die Bundesregierung einen Anwerbestopp. Damals lebten über 900.000 Türken in Deutschland, heute sind es 2,5 Millionen.

 

3. Was bedeutet das Wort Parallelgesellschaften?

(Zeile 18-19) Tatsächlich bilden sich bei der türkischen Minderheit, wie auch teilweise bei den anderen Zuwanderergruppen, immer weiter gehende ethnische Ghettos.

 

4. Wie werden die ersten Migranten charakterisiert?

(Zeile 20-25) Der „typische” Arbeitsmigrant der ersten Generation stammt aus ländlichen, strukturschwachen Regionen der Türkei und ist stark in alten Traditionen und Wertevorstellungen verhaftet. Er verfügt über eine eher geringere Schul- und Berufsausbildung, meist einen niedrigen Berufsstatus und eher schlechte deutsche Sprachkenntnisse - seine Chancen in der deutschen Gesellschaft sind sehr gering.

 

5. Wie ist die Verbindung der zweiten Migrantengeneration zur Heimat?

(Zeile 28-30) Ein „typischer” Angehöriger der zweiten Generation fühlt sich mit Deutschland und der Türkei gleichermaßen verbunden und hat selten die Absicht zu remigrieren.

 

6. Was fällt bei der Integration der zweiten Generation auf?

(Zeile 36-37) Unübersehbar ist aber, dass innerhalb der zweiten Generation die Integration unterschiedlich verläuft.

 

7. Was ist mit „Abschottung“ gemeint?

(Zeile 40-41) Zur Verbesserung ihres sozialen Status genutzte eigenethnische Strukturen.

 

8. Wie hoch ist die Zahl der Moscheen mit extremistischer Richtung?

(Zeile 44) 100 mit extremistischenTendenzen

 

9. Welchen Wunsch äußern Politiker in Deutschland gegenüber Muslimen?

(Zeile 53-55) Schon lange äußern Politiker aller Parteien den Wunsch, dass sich die Muslime in Deutschland eine klarere Organisationsstruktur geben und sich auf eine gemeinsame Vertretung einigen.

 

10. Was erschwert die Einigkeit islamischer Organisationen?

(Zeile 55-57) Der Islam kennt jedoch keine kirchenähnlichen Strukturen und die unterschiedlichen Nationalitäten und politischen Ausrichtungen erschweren den Einigungsprozess.

 

 

Fragen zum Film - Lösungen

Parallele Welten? Muslime in Deutschland

 

Teil 1: Beginn bis 4'48

O-Ton Rafet Öztürk

„Bei uns heißt das nicht, dass derjenige, der nicht mehr betet nicht mehr Muslim ist. Er ist immer noch Muslim, der aber nicht praktizierend ist.“

 

1. Was haben die Deutschen laut Ertan Dinc mit der Integration gemacht?

¨      (00'20) Die Deutschen haben es mit der Integration verpennt – so richtig verpennt!

 

2. Womit haben die Deutschen gerechnet, als so viele Ausländer ins Land kamen?

¨      (00'46) Die Ausländer kommen nach Deutschland und irgendwann kehren sie wieder zurück, also müssen wir uns nicht mit den Problemen beschäftigen.

 

3. Wie hoch ist der Ausländeranteil im Eigelsteinviertel?

¨      (01'01) Jeder dritte Bewohner ist hier Ausländer.

 

4. Welche Probleme haben laut Fatma Bläser die Ausländer?

¨      (01'46) Weil sie in Ghettos leben. Dass sie Probleme hatten, weil sie dann eben die Sprache nicht so schnell lernen konnten.

 

5. Was würde Ertan Dinc gut finden?

¨      (02'31) Was ich aber gut finde, ist, dass die sagen, jeder Ausländer, der nach Deutschland kommt, muss Deutsch lernen.

 

6. Wer unterrichtet die Kinder im Islamunterricht?

¨      (03'12) Dort unterrichten meist Imame aus der Türkei, die kein Deutsch sprechen.

 

7. Was sagt Ertan über die Religiosität der Deutschen?

¨      (04'04) Die Deutschen sind weniger religiös, würde ich sagen.

 

Teil 2: bis 8'54

08’54“ O-Ton Ertan Dinc

„Da drehen die Mädchen zu viel durch. Zu viel Freiheit ist auch schlecht.“

 

8. Was passierte mit dem Islamlehrer an einer Kölner Schule?

¨      (04'56) Der Kollege, der das im Wesentlichen machte, hatte wohl in der Türkei ein paar Schwierigkeiten.

 

9. Was meint Dr. Wieczoreck über den Islamunterricht an der Schule?

¨      (04'56) Da gehört sie nämlich auch hin!“

 

10. Was unterstützt Rafet Öztürk?

¨      (06'32) Wir begrüßen diese Anstrengung in Richtung islamischen Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen.

 

 

 

 

11. Was dürfen Mädchen in traditionellen islamischen Familien oft nicht?

¨      (07'04) Das bedeutet vor allem für die Mädchen Einschränkungen von Freiheiten. Für uns bedeutet das Schwierigkeiten etwa bei der Teilnahme am Schwimmunterricht, bei der Teilnahme an Klassenfahrten, auch in vielen anderen kleineren Bereichen.

 

12. Warum kommen die Mädchen nicht mehr in die Jugendzentren?

¨      (08'01) Es sind erst mal die eigenen Brüder.

 

13. Wie wird von Fatma Bläser eine Schlampe definiert?

¨      (08'31) Weil die sind ja alle Schlampen, die machen ja alles, was in unserer Gesellschaft nicht erlaubt ist.

 

Teil 3: bis Ende

 

14. Wie sieht Ertan Dinc den Unterschied bei den Freiheiten für Männer und Frauen?

¨      (09'11) Okay, zugegeben, ich habe mehr Freiheiten als ein türkisches Mädchen.

 

15. Sind laut Ertan Dinc Männer und Frauen gleich?

¨      (09'43) Wir sind einfach nicht gleich!

 

16. Was bedeutet laut Fatma Bläser der Begriff „Ehre“?

¨      (10'25) Ehre ist das Höchste. Und Ehre bedeutet dann eben, dafür zu sorgen, das Gesicht der Familie – besonders von dem Vater und von den Brüdern - im Reinen zu halten.

 

17. Warum kommt es zum „Ehrenmord“?

¨      (11'07) Frauen, die diese Ehre angeblich verletzt haben, werden ermordet.

 

18. Wen versucht man laut Fatma Bläser umzubringen?

¨      (11'39) Frauen, die sich frei bewegen oder eine freies Leben, ein selbst bestimmtes Leben wählen, das der Familie nicht ins Konzept passt, die versucht man umzubringen.

 

19. Was tut der Staat, um muslimischen Frauen zu helfen?

¨      (12'09) Um dies in Zukunft zu vermeiden sind entsprechende Gesetze - beispielsweise gegen Zwangsheirat - auf den Weg gebracht.

 

20. Was hält Ertan Dinc für völligen Quatsch?

¨      (12'44) Dass es keine Unterschiede (zwischen Deutschen und Türken) gibt.

 

 

Der Text zum Film

KuBus 67: Parallele Welten? Muslime in Deutschland

Autor: Kirsten Kummer, Dirk Kämper

00’10” O-Ton Rap

“Respekt zwischen dir und mir. Respekt zwischen dort und hier. Respekt hier in meinem Revier. Respekt an alle Menschen – Yeah!“

00’20“ O-Ton Ertan Dinc

„Die Deutschen haben es mit der Integration verpennt – so richtig verpennt! Erst, wo die Probleme auftauchen jetzt. Erst wo sie sehen, die isolieren sich die Türken - das siehst du ja alleine an unserem Viertel, da siehst du ja in der Straße nur Türken.“

00’34” O-Ton Rap

„Respekt zwischen dir und mir!“

00’37“ O-Ton Andreas Schmidt, Sozialarbeiter

„Wir haben teilweise jetzt schon die Parallelgesellschaften. Viele von den Jugendlichen haben ganz wenig Kontakt zu Deutschen.“

00’44” O-Ton Rap

„Respekt zwischen dort und hier!“

00’46” O-Ton Fatma Bläser

„Die Deutschen haben den Fehler gemacht, dass sie gesagt haben, die Ausländer kommen nach Deutschland und irgendwann kehren sie wieder zurück, also müssen wir uns nicht mit den Problemen beschäftigen.“

00’54” O-Ton Rap

„Respekt hier in meinem Revier. Respekt an alle Menschen – Yeah!“

01’01“

Im Schatten des Doms liegt einer der lebendigsten Stadtteile Kölns: das Eigelsteinviertel. Jeder dritte Bewohner ist hier Ausländer. Das liegt weit über dem deutschen Durchschnitt. Die meisten von ihnen stammen aus der Türkei. Hier laufen die Dinge auseinander.

Ertan Dinc, 22 Jahre, zog vor 15 Jahren mit seinen Eltern aus einem anatolischen Dorf nach Köln.

Auch die Schriftstellerin Fatma Bläser kam als Kind aus Anatolien. Über ihr Leben zwischen den Welten hat sie ein Buch geschrieben.

Andreas Schmidt ist Sozialarbeiter und leitet seit 15 Jahren das Jugendzentrum hier im Viertel.

01’36“ O-Ton Ertan Dinc

„Ich bin ja hier auch groß geworden. Ich bin ja auch irgendwo stolz, Kölner zu sein: Aber trotzdem gehöre ich nie 100 Pro(zent) hier zu.“

01’46” O-Ton Fatma Bläser

„Trotzdem hat man das immer noch nicht sehen wollen, dass sie Integrationsschwierigkeiten hatten, weil sie in Ghettos leben. Dass sie Probleme hatten, weil sie dann eben die Sprache nicht so schnell lernen konnten. Ihre Eltern konnten die Sprache nicht so schnell und nicht so gut. Also wer sollte es denn diesen Kindern beibringen?“

02’04“ O-Ton Ertan Dinc

„Hier in unserem Viertel würdest du leben können, ohne dass du ein Wort Deutsch reden kannst. Hier kannst du essen, einkaufen, alles erledigen, ohne dass du ein Wort Deutsch kannst.“

02’14“ O-Ton Andreas Schmidt, Sozialarbeiter

„Der größte Fehler ist, glaube ich, dass man nicht direkt mit der Sprachvermittlung angefangen hat. Dass es nicht Grundbedingung war, man muss, wenn man nach Deutschland kommt, die Sprache einigermaßen beherrschen.“

02’31“ O-Ton Ertan Dinc

„Was ich aber gut finde, ist, dass die sagen, jeder Ausländer, der nach Deutschland kommt, muss Deutsch lernen. Das ist zum Beispiel eine gute Sache, finde ich.“

02’39” O-Ton Rap

„Gott, vergib uns unsere Sünden! Gott, wir wollen Frieden finden!“

02’44“

Die Mehrzahl der Türken sind Muslime: Für die Deutschen eine völlig fremde Welt. Und der Islam – so die allgemeine Einschätzung in Deutschland – ist der Hauptgrund, dass man sich nicht besser versteht.

02’57“ O-Ton Ertan Dinc

„Das sind nur religiöse Sachen. Ich kann dir jetzt nicht genau sagen, was da drauf steht, aber da steht alles vom Koran nur.“

„... Irgendwelche Gebete oder Suren, so was.“

03’12“

Bislang lernen die meisten türkischen Kinder in Deutschland ihre Religion in den Koranschulen der Moscheenvereine kennen. Dort unterrichten meist Imame aus der Türkei, die kein Deutsch sprechen.

Das soll sich nun ändern: Islamunterricht auf Deutsch soll an den Schulen gleichwertig zum katholischen und evangelischen Religionsunterricht eingeführt werden.

03’37“ O-Ton Rafet Öztürk, Imam und Leiter Interreligiöser Dialog der Ditib

„Wir vermitteln den Inhalt des Korans in türkischer Sprache. Wenn wir Imame haben, die die deutsche Sprache beherrschen, dann versuchen wir über diese Imame den Inhalt des Korans auf Deutsch zu vermitteln.“

03’56“

Längst nicht alle Türken sind praktizierende Moslems – vor allem in der jungen Generation. Dennoch spielt der Islam eine wichtige Rolle.

04’04“ O-Ton Ertan Dinc

„Die Religion, die gibt dir was: Die gibt dir zum Beispiel Antworten auf Fragen, die Religion. Religion gibt dir irgendwo Regeln für das Verhalten...“

„.. wo man sich danach richtet. Die Deutschen sind weniger religiös würde ich sagen. Es gibt so viele Atheisten, die ich kenne. Das ist keine muslimische Gesellschaft. Wenn ich in der Türkei zum Abendessen eingeladen wäre, dann gäbe es da keinen Wein auf dem Tisch. Es ist schwer, ein richtiger Muslim zu sein. Sehr schwer.“

„Ehrlich gesagt, die großen religiösen Leute sind wir nicht.“

04’41” O-Ton Rafet Öztürk

„Bei uns heißt das nicht, dass derjenige, der nicht mehr betet, nicht mehr Muslim ist. Er ist immer noch Muslim, der aber nicht praktizierend ist.“

04’48“

An Kölner Schulen läuft der Modellversuch Islamunterricht auf Deutsch seit 1999. Nicht ohne Schwierigkeiten:

04’56“ O-Ton Dr. Wieczoreck, stellvertretender Schulleiter

„Der Kollege, der das im Wesentlichen machte, hatte wohl in der Türkei ein paar Schwierigkeiten. Weil die Geschichte durch die Presse und das Fernsehen ging und man dort auch in der Türkei aufmerksam wurde. Und weil eben bekannt ist, dass bestimmte muslimische Gruppen genau davon nichts halten. Weil sie ja ganz klar ihre ganz spezielle, eigene Glaubensunterweisung geben möchten und keine andere zulassen.“

„Und die möchten die ja dann auch in ihrer Sprache geben, damit niemand sie kontrollieren kann.“

„Der Islamunterricht auf Deutsch hat einfach das Ziel, den Kindern, die nun mal Muslime sind, eine entsprechende Unterweisung zu geben, in deutscher Sprache, so dass alle daran teilnehmen können. Und auf diese Weise diese Art von Unterweisung in die Schule reinzulegen. Da gehört sie nämlich auch hin!“

05’59“ O-Ton Emin Alan, Lehrer Islamunterricht auf Deutsch

„In der Moschee werden, je nachdem, wie das ausgelegt wird, junge Menschen zum Glauben hingeführt. In der Schule sind wir neutral.“

„Wir vermitteln religiöses Wissen an alle, nicht nur über den Islam, auch über andere Religionen. Was sie daraus machen, die Schüler, das ist dann ihre Sache.“

„Angenommen wir bringen ihnen das Beten bei, ob sie hinterher regelmäßig beten oder nicht, das müssen sie selber wissen.“

06’32” O-Ton Rafet Öztürk

„Wir begrüßen diese Anstrengung in Richtung islamischen Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen. Wir werden nach unseren Möglichkeiten diese Bemühungen, diese Versuche immer wieder unterstützen.“

06’47” O-Ton Rap

„Respekt vor der Frau seh’ ich, wenn ich in die Zeitung schau! Wow, voll die geile Sau!“

06’53“

Tradition und Religion sind in der türkischen Gesellschaft nur schwer voneinander zu trennen. Das betrifft insbesondere die Rollenverteilung in der Familie.

07’04““ O-Ton Dr. Wieczoreck

„Ganz traditionalistische Familien versuchen ihre Kinder entsprechend zu erziehen: gemäß ihren Wertevorstellungen und Normen. Das bedeutet vor allem für die Mädchen Einschränkungen von Freiheiten. Für uns bedeutet das Schwierigkeiten etwa bei der Teilnahme am Schwimmunterricht, bei der Teilnahme an Klassenfahrten, auch in vielen anderen kleineren Bereichen. Es bedeutet je nachdem auch, dass die Jungen sich Mädchen gegenüber, vor allem ihren Geschwistern gegenüber, entsprechend benehmen. Und ich werde sehr empfindlich, wenn Leute versuchen mit dem Vorschieben oder auch dem Ausleben ganz bestimmter Empfindlichkeiten diese Freiheiten bei anderen massiv einzuschränken!“

07’52“

Auch im Jugendzentrum hat man damit Schwierigkeiten: Ab einem bestimmten Alter bleiben die Mädchen weg.

08’01“ O-Ton Andreas Schmidt

„Ich glaube, dass die Mädchen nicht mehr kommen aus mehreren Gründen. Es sind erst mal die eigenen Brüder - wenn sie Brüder haben – die dann sagen: In dem Jugendzentrum sind zu viele Jungs, das ist nicht gut. Wenn du da hingehst, dass zieht deinen Namen in den Schmutz, das ist nicht gut für unsere Familie, das ist auch nicht gut für dich, weil du dann leicht in diese Ecke der „Schlampe“ gerätst, in den Ruf einer „Schlampe“ gerätst. Das darf eben nicht sein.“

08’31” O-Ton Fatma Bläser

„Ich persönlich sollte nicht so werden wie die deutschen Frauen, weil die sind ja alle Schlampen, die machen ja alles, was in unserer Gesellschaft nicht erlaubt ist. Ich durfte nicht so werden. Und nicht nur mein Vater hat darauf geachtet, sogar die türkisch-kurdische Gesellschaft, in der ich groß geworden bin,  jeder hat darauf geachtet.“

08’54“ O-Ton Ertan Dinc

„Da drehen die Mädchen zu viel durch. Zu viel Freiheit ist auch schlecht.“

09’02” O-Ton Fatma Bläser

„Die Frau kann nicht einfach locker in ein Restaurant gehen und da essen oder lachen, oder ins Kino oder in die Disco gehen.“

09’11“ O-Ton Ertan Dinc

„Gilt für mich als Mann genauso. Ich darf auch nicht alles machen, was ich will draußen, von meiner Familie aus. Gilt für einen Mann genauso. Was heißt genauso – aber, ich habe andere Sachen, die ich nicht machen kann. Okay, zugegeben, ich habe mehr Freiheiten als ein türkisches Mädchen, sag ich mal.“

09’29” O-Ton Fatma Bläser

„Die Männer dürfen sich alles erlauben: Sie dürfen heiraten, wen sie möchten, sie dürfen schwimmen, sie dürfen in die Jugendherberge, sie dürfen in Discos, sie dürfen ins Kino, sie dürfen deutsche Freundinnen haben.“

09’43“ O-Ton Ertan Dinc

„Okay, Gleichberechtigung. Okay, irgendwo muss es Gleichberechtigung geben. Irgendwo muss jeder seine Freiheiten irgendwie haben können. Klar, es darf keiner unterdrückt werden. Aber gleich sind wir nicht. Wir sind einfach nicht gleich!“

10’04“

Die Hoffnung, dass sich die zweite und dritte Generation wie von selbst assimiliert, erweist sich immer mehr als Trugschluss.

10’13“ O-Ton Ertan

„Wo sind wir anders, wo sind wir anders? Mit unseren Gedanken sind wir anders. Mit unserem Verhalten sind wir anders. Was wir als Ehre bezeichnen, würden Deutsche als Quatsch bezeichnen.“

10’25” O-Ton Fatma Bläser

„Ehre ist das Höchste. Und Ehre bedeutet dann eben, dafür zu sorgen, das Gesicht der Familie – besonders von dem Vater und von den Brüdern - im Reinen zu halten.“

10’44“ O-Ton Andreas Schmidt

„Also, weil die Familie so ein hohes Gut ist und so wichtig ist und so ein intensiver Zusammenhalt da ist. Dadurch ist alles, was gegen Vater oder Mutter oder Familie ist, ein großer Angriff. Das ist eben die absolute Sicherheit: die Familie ist die Zuflucht und die absolute Heimat.“

11’07“

Und wenn die Ehre der Familie gefährdet ist, kommt es mitunter zu brutalen Exzessen: Frauen, die diese Ehre angeblich verletzt haben, werden ermordet. Dem so genannten Ehrenmord fielen in der Vergangenheit in Deutschland jährlich mindestens 4 bis 5 Frauen zum Opfer. Ein unhaltbarer Zustand, den die Medien zunehmend thematisieren.

11’26“ O-Ton Ertan

„Die Leute sehen: Aha, eine Türkin wurde umgebracht – Zack: Ehrenmord! Keiner weiß darüber Bescheid, warum die ermordet worden ist. Aber jeder redet schon von Ehrenmord. Die ganzen Zeitungen schreiben das. Alles ist Ehrenmord geworden!“

11’39” O-Ton Fatma Bläser

„Es ist leider heute immer noch in der dritten Generation so, dass sie meinen, dass Frauen, die sich frei bewegen oder eine freies Leben, ein selbst bestimmtes Leben wählen, das der Familie nicht ins Konzept passt, die versucht man umzubringen.“

„Und ich denke, wenn vier, fünf Ehrenmorde im Jahr passieren, dann sind das verdammt viele! Da kann ich nicht von einem Einzelfall reden!“

12’09“

Fatma Bläser war selbst betroffen: Sie sollte ermordet werden. In dieser Situation fühlte sie sich auch von der deutschen Gesellschaft im Stich gelassen. Um dies in Zukunft zu vermeiden sind entsprechende Gesetze - beispielsweise gegen Zwangsheirat - auf den Weg gebracht.

12’21” O-Ton Fatma Bläser

„Wir können in Deutschland nicht wie früher hingehen und sagen, das sind andere Traditionen, ist ein anderes Volk, und wir können uns nicht einmischen. Im Gegenteil: Wir müssen uns einmischen. Und ich denke, egal in welchem Land ich lebe, ich muss mich anpassen, ich muss respektieren, ich muss akzeptieren. Und gerade wenn ich mein Leben hier aufbauen möchte, muss ich an der Integration und den Gesetzen teilnehmen.“

12’44“ O-Ton Ertan Dinc

„Ich denke so: Die deutsche Gesellschaft will die türkische Gesellschaft, die Türken, die hier leben, irgendwie umerziehen. Dass sie so drauf sind, wie, wie, wie - Verstehst du was ich meine? - Dass es keine Unterschiede gibt. Das ist aber völliger Quatsch!“

12’57“ O-Ton Andreas Schmidt

„Da muss ein Umdenken stattfinden. Da muss von beiden Seiten aufeinander zugegangen werden. Sonst bleiben diese parallelen Welten so existent, wie sie es derzeit sind. Und es vertiefen sich noch die Klüfte. Und die Ghettos werden einfach größer.“

13’12“ O-Ton Rap (Off)

„Ist Respekt schon gestorben? Sind wir schon alle vom Teufel verdorben? Die Reichen zocken ab! Die Armen kacken ab! Mann, ist das hier Respekt? Mann, habt Ihr’s nicht gecheckt? Youh!“

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Aufgabenblatt Kubus 67-1