Universität Porto

Deutsch III

Anette Kind/Ulrich Kamien

 

Kubus 52 (Film 2): Europa der Übersetzer (Länge ca. 12.30 Minuten)

Lösungsblatt

 

Aufgabe 1: Textverständnis

1. Warum wurde das europäische Parlament nach Straßburg gelegt? (2 Gründe!)

   ► der Europarat hatte seinen Hauptsitz schon in Straßburg + wegen der zentralen Lage

2. Was fand im Jahre 1979 statt?

   ► freie Wahlen zum Europaparlament

3. Worin besteht ein Unterschied zu anderen überstaatlichen Organisationen?

   ► jeder Mitgliedsaat besteht auf seine Landessprache als Kommunikationsmedium

4. Welchen Grund gibt es für die Sprachenvielfalt im Europaparlament?

   ► von demokratisch gewählten Vertretern kann nicht erwartet werden, dass sie fließend eine gemeinsame Sprache sprechen

5. Was wird in nahezu allen Sitzungen des Europäischen Parlaments gemacht?

   ► simultan gedolmetscht

6. Wann müssen mindestens drei Dolmetscher pro Sprache in einer Kabine eingesetzt werden?

   ► wenn es in den Sitzungen sechs oder mehr Sprachen gibt

7. Werden alle offiziell gesprochenen Texte in alle Sprachen übersetzt?

   ► ja, jeder offiziell ausgesprochene Satz muss in jede der Landessprachen übersetzt werden

8. Arbeiten die Dolmetscher nur in Straßburg?

   ► nein, sie pendeln zwischen Straßburg und Brüssel

9. Wo werden die Texte des Europäischen Parlaments übersetzt?

   ► in Luxemburg

10. Welche Frage stellt sich bezüglich einer Einheitssprache für alle Europaparlamentarier?

   ► ob sich der Aufwand wirklich lohnt

11. Was ist eine Relais-Sprache?

   ► eine Sprache, die als Zwischenstufe dient, wenn nicht direkt von einer Sprache in die Zielsprache übersetzt werden kann (Englisch, Französisch oder Deutsch)

12. Womit ließen sich viele Bücher füllen?

   ► mit den schönsten Übersetzungsfehlern

13. Wird es mit der Osterweiterung eine Veränderung dieser Sprachenpolitik geben?

   ► nein, die Vielsprachigkeit soll erhalten bleiben

14. Was passiert, wenn alle neuen und zukünftigen Staaten in die EU gekommen sind/kommen?

   ► dann müsste jeder Text in über 20 weitere, also in über 30 Sprachen übersetzt werden (die 11 alten Sprachen plus über 20 neue Sprachen)

15. Was wird sich dann vermutlich verändern?

   ► die Bedeutung der Relais-Sprachen wird zunehmen

 

Aufgabe 2: Hörverstehen

1. Woran arbeiten die Mitgliedsländer der Europäischen Union?

     (a) am Europa der Zukunft       (b) an einem wirtschaftlich prosperierenden Europa     

     (c) an einem gemeinsamen Europa       (d) an gesellschaftlichen Veränderungen

2. Wie wäre die Arbeit im Parlament ohne die Übersetzungen der Simultandolmetscher?

     (a) problematisch für die Parlamentsarbeit       (b) nicht zu bewältigen      

     (c) eine ständige Fehlerquelle        (d) ein heilloses Durcheinander

3. Welche Voraussetzung braucht ein Europaparlamentarier nicht mitzubringen?

     (a) ein Hochschulstudium       (b) Sprachen zu können      

     (c) gearbeitet zu haben        (d) Politiker gewesen zu sein

4. Was haben sich die Abgeordneten  laut Jürgen Martschin abgewöhnt?

     (a) Mehrsprachigkeit       (b) Wortspiele      

     (c) Fremdsprachen zu sprechen        (d) Humor

5. Was geschieht mit Witzen, die die Parlamentarier erzählen?

     (a) sie werden oft nicht übersetzt       (b) sie werden nicht verstanden      

     (c) sie sind im Parlament nicht erwünscht        (d) über sie wird selten gelacht

6. Wobei sind Fremdsprachenkenntnisse für Abgeordnete hilfreich?

     (a) beim Small-Talk       (b) am Rande der Sitzungen      

     (c) für das kulturelle Verständnis        (d) bei Restaurantbesuchen

Ende 1. Teil, Äußerung einer Abgeordneten, bis "Bruxelles"

7. Als was bezeichnet Karin Junker die Abgeordneten?

     (a) als Zigeuner      (b) als Wanderarbeiter      

     (c) als reiselustig        (d) als multikulturelle Gesellschaft

8. Welchen Unterschied sieht Karin Junker zu den nationalen Parlamenten?

     (a) man hält mehr zusammen       (b) man spricht öfter miteinander      

     (c) man hat mehr private Kontakte untereinander        (d) man ist toleranter

9. Welche Bezeichnung hat Jürgen Martschin für Dänisch?

     (a) Mangelsprache       (b) unbedeutende Sprache      

     (c) Dialektsprache        (d) Sprache der 2. Kategorie

10. Wie arbeiten die Übersetzer?

     (a) mit Übersetzungsprogrammen       (b) sekundenschnell      

     (c) ständig unter Druck        (d) auf die Distanz

11. Aus wie vielen Sprachen übersetzt Ursula Eichin ins Deutsche?

     (a) aus vielen Sprachen       (b) aus vier Sprachen      

     (c) aus elf Sprachen        (d) aus vierzehn Sprachen

12. Was schreibt die Sekreärin?

     (a) einen Entwurf      (b) einen Vorschlag      

     (c) eine Abschrift        (d) ein Protokoll

Ende 2. Teil, Äußerung von Ursula Eichin: "...Den bekommt der Übersetzer zurück - zur Korrektur."

13. Wie viele Sprachkombinationsmöglichkeiten gibt es nach der EU-Erweiterung im Jahre 2004?

     (a) Hunderte       (b) 180      

     (c) unzählige        (d) an die tausend

14. Welchen Übersetzungsweg wird man zukünftig gehen?

     (a) über Englisch       (b) über Englisch oder Französisch      

     (c) über Relaissprachen        (d) über sieben Kernsprachen

15. Als was bezeichnet Jürgen Martschin die Arbeit mit den dann 23 Sprachen?

     (a) als diskussionswürdig       (b) als nicht arbeitserleichternd      

     (c) als stressfördernd        (d) als Herausforderung

16. Was könnte laut Jürgen Martschin bei der Übersetzung verloren gehen?

     (a) der Humor       (b) der Wortwitz      

     (c) die Spontaneität        (d) das Direkte

17. Was soll erhalten belieben?

     (a) die sprachliche Vielfalt       (b) die sprachlichen Eigenheiten      

     (c) die kulturelle Eigenständigkeit        (d) das Europa der Regionen

18. Was tun die Menschen im Europäischen Parlament laut Karin Jöns?

     (a) nationale Aspekte vergessen       (b) eine gemeinsame Sprache lernen      

     (c) europäisch denken        (d) versuchen, sich gegenseitig zu verstehen

 

 

KuBus 52 - Europa der Übersetzer  (Filmtext)

00'03"

Das Europäische Parlament in Straßburg.
Hier arbeiten die Mitgliedsländer der Europäischen Union politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich an einem gemeinsamen Europa, denn hier tagen die Abgeordneten aus den bisher 15 Mitgliedsstaaten.

00'26"

Im Parlament sind elf gleichberechtigte Verkehrssprachen zugelassen.

00'49"

Es entstünde ein heilloses Sprachchaos ohne das ständige Übersetzen der Simultandolmetscher.

01'17" O-Ton Gerhard Schmid (Abgeordneter):

"Wenn das ordentlich übersetzt wird (und es wird ordentlich übersetzt, wir haben ausgezeichnete Dolmetscher), gibt es gar keinen Grund, warum es an der Sprache scheitern sollte. Die Wahrheit ist, Sie können in Ihrer eigenen Muttersprache im Plenum sprechen, sie können im Ausschuss sprechen. Das hat etwas mit Demokratie zu tun. Sie können eine Diplomatenveranstaltung natürlich in Französisch oder Englisch abwickeln, weil jeder Diplomat diese Sprachen spricht. Wenn man aber daran festhält, dass ein Werftarbeiter Europaabgeordneter werden können soll, dann darf die Eingangsvoraussetzung nicht sein, dass er Sprachen kann."

01'54 Strassbourg

Straßburg ist seit 1958 Sitz des Europa-Parlaments. Die Stadt wurde wegen ihrer zentralen Lage ausgewählt, aber auch, weil sie ein sprachlicher und kultureller Schmelztiegel ist. Hier treffen sich die Volksvertreter, die von 375 Millionen Europäern durch freie Wahlen nach Straßburg geschickt wurden.

02'19" O-Ton Jürgen Martschin (Dolmetscher):

"Natürlich sind wir alles nur Menschen. Es gibt natürlich Wortspiele in allen Sprachen. Nun haben unsere Abgeordneten auch wahrscheinlich gelernt, dass sie damit nicht gut ankommen - mit Wortspielen. Deshalb passiert das nicht sehr häufig. Es kann natürlich passieren, dass ein Abgeordneter ein Wortspiel macht..."

02'37" O-Ton Gerhard Schmid (Abgeordneter):

"Witze lassen sich außerordentlich schwierig übersetzen. Nun sind Abgeordnete, wenn sie eine Rede halten, natürlich frustriert, wenn niemand lacht. Unsere Dolmetscher haben da eine geniale Erfindung gemacht. Wenn ein Witz kommt, den man nicht übersetzen kann..."

02'51" O-Ton Jürgen Martschin (Dolmetscher):

"...dass dann der Dolmetscher sagt: "Der Abgeordnete hat einen Witz gemacht, der sich nicht ins Deutsche übertragen lässt. Bitte lachen Sie doch!"

02'57" O-Ton Gerhard Schmid (Abgeordneter):

"...und dann lacht man natürlich über die Bemerkung und der erwünschte Effekt wird dann erzielt."

03'03" O-Ton Jürgen Martschin (Dolmetscher):

"Also, wir sind keine Maschinen, die da reden, als würde uns alles nichts angehen."

03'15" O-Ton Karin Jöns (Abgeordnete):

"Die sehen uns ständig. Wir haben auch einen Blickkontakt immer wieder mal mit den Kabinen. Und es finden regelmäßige Treffen mit den Dolmetschern und Dolmetscherinnen statt. Denn Sie müssen sich vorstellen, wir wären doch in den Ausschusssitzungen ohne die Dolmetscher und Dolmetscherinnen aufgeschmissen. Auf der anderen Seite wäre es schon hilfreich, wenn man ein oder zwei Sprachen wenigstens sprechen würde, um mit den Kollegen am Rande der Ausschusssitzungen oder in Arbeitssitzungen sich zu unterhalten. Denn sie müssen sich ja aufeinander zu bewegen. Wenn Sie sich vorstellen, hier sind hundert Parteien, zusammengefasst in sieben Fraktionen, und dann noch fünfzehn Nationen. Bald sind wir vielleicht sogar 27. Und dann müssen Sie schon mit den Leuten mal reden."

03'59 Bruxelles

04'08" O-Ton Jürgen Martschin (Dolmetscher):

"Ja, hier sind wir in Brüssel im Gebäude des Europäischen Parlamentes, in Straßburg steht das andere. Und wie die Abgeordneten monatlich zwischen Brüssel und Straßburg hin und her reisen, müssen auch die Dolmetscher den Abgeordneten vorweg reisen."

04'25" O-Ton Karin Junker (Abgeordnete):

"Wir sind ein multinationaler Haufen, eine multikulturelle Gesellschaft - und das bedeutet auch, dass wir sehr unterschiedliche Standorte haben."

04'37" O-Ton Karin Junker (Abgeordnete):

"Das Bewusstsein, dass wir hier in einem vielsprachigen Parlament sind, bringt einen auch miteinander ziemlich nahe. Und ich habe festgestellt, dass da sehr viel mehr Zusammenhalt ist, als ich das aus nationalen Parlamenten kenne, wo man viel schneller auseinander rennt ... oder eben auch so bestimmte Erlebnisse, die Solidarität erzeugen, auch nicht hat."

05'14" O-Ton Jürgen Martschin (Dolmetscher):

"Hier sind wir in der deutschen Kabine. Wir sind nach Sprachgruppen aufgeteilt."

05'27" O-Ton Jürgen Martschin (Dolmetscher):

"Das bedeutet, weil wir alle in die Muttersprache arbeiten, sitzen also hier die Deutschsprachigen, und in der englischen Kabine die Englischsprachigen, und so weiter."

05'37" O-Ton Jürgen Martschin (Dolmetscher):

"Ja, daneben gibt es natürlich unser Durchgangsbüro, der natürliche Treffpunkt eigentlich für die Dolmetscher. Ich habe hier angefangen seinerzeit noch mit Englisch, Französisch und Dänisch, was sozusagen meine Eintrittskarte war, weil Dänisch eine Mangelsprache ist, eine kleine Sprache. Danach habe ich Spanisch dazugelernt und in letzter Zeit noch Finnisch. Inzwischen ist es so, dass man, um überhaupt eingestellt werden zu können, doch drei, möglichst vier Fremdsprachen beherrschen sollte, aus denen man arbeitet. In Spitzenzeiten werden ungefähr dreihundert / dreihundertfünfzig Dolmetscher hier arbeiten pro Tag. Im Gegensatz zu uns Dolmetschern, die wir praktisch alle in Brüssel sitzen, sitzen die Übersetzer, die gesamte Übersetzungsabteilung, in Luxemburg, wodurch wir also räumlich und beruflich völlig getrennt sind."

06'51" O-Ton Ursula Eichin (Übersetzerin):

"Wir sitzen halt fernab, sozusagen, und arbeiten halt schriftlich auf die Distanz. Früher wurde das per Kurier dann hin und her gefahren, aber das ist inzwischen ja nicht mehr nötig. In Sekundenschnelle können wir uns den Text ranholen und wieder wegschicken, hier über Computer online."

06'59" O-Ton Ursula Eichin (Übersetzerin):

"Ich übersetze ins Deutsche aus vier anderen Sprachen. Wir sind, glaube ich, mit der größte Dienst des Parlaments, mit elf Übersetzungsabteilungen und einer Generaldirektion. Mit Sekretärinnen sind es etwa so 800 Leute."

07'41" O-Ton Ursula Eichin (Übersetzerin):

"Die Sekretärin schreibt einen Entwurf. Den bekommt der Übersetzer wieder zurück - zur Korrektur."

08'08" O-Ton Ursula Eichin (Übersetzerin):

"Also, ich habe hier das Mikrofon, das zu meinem Spracherkennungsprogramm gehört, nehme meinen Originaltext in die Hand und diktiere einfach munter drauf los aus dem Stegreif."

08'28" O-Ton Ursula Eichin (Übersetzerin):

"Im Jahre 2004 wird’s hier eine ziemlich große Veränderung geben, indem eben jetzt zehn neue Länder dazukommen werden mit wieder neuen Sprachen. Man hat also jetzt eingesehen, dass man dann unser Prinzip nicht mehr aufrecht erhalten kann, dass man alle Texte von allen Sprachen in alle Sprachen übersetzt, weil es da so viele Kombinationsmöglichkeiten gäbe, ich glaube cirka 180. Das kann man also nicht mehr bewerkstelligen. Dann muss man das eben anders bewältigen, indem man sagt, man übersetzt erst einmal in zwei "Relais"-Sprachen, und in diesen Abteilungen muss man eben so viele Leute haben, dass man alle neuen Sprachen auch abdeckt, und die übrigen Abteilungen, die übersetzen dann praktisch auf dem Umweg über diese zentralen Relaissprachen in ihre jeweiligen Sprachen."

09'24" O-Ton Jürgen Martschin (Dolmetscher):

"Nächste Woche findet also in Straßburg eine ganz besondere Plenartagung statt. Es werden im Parlament zum ersten Mal Vertreter aus den Beitrittsländern anwesend sein - im Plenarsaal. Sie werden sich an den Diskussionen beteiligen; und das bedeutet, dass zu den jetzigen elf Sprachen, aus denen und in die wir dolmetschen zwölf neue hinzukommen, dass wir insgesamt 23 Sprachen haben werden. Es wird auf jeden Fall eine große Herausforderung werden."

10'00"

Heute sind die Vertreter der ost- und südeuropäischen zukünftigen Mitgliedsländer der Europäischen Union im Straßburger Parlament eingeladen.

10'42" O-Ton Jürgen Martschin (Dolmetscher):

"Bis zum Jahr 2004 besteht eben noch Zeit und da werden noch viele Umbauten stattfinden. Es werden Säle so ausgestattet, dass tatsächlich 23 Kabinen da drin sind. Und von da an wird das dann völlig normal verlaufen, ob wir dann 11 Sprachen haben oder 21, 23, das ist dann nur noch eine Frage der Knöpfe: Wenn in der eigenen Kabine eine bestimmte Sprache nicht vorhanden ist, dann muss man sich diese Sprache aus einer anderen Kabine holen. Und wenn ich das korrekt ins Deutsche verdolmetsche, ist also zumindest vom Sinn her kaum eine Veränderung festzustellen. Vielleicht geht etwas an der Spontaneität verloren, die darin besteht, wenn ich jemanden direkt dolmetsche, dass ich dann aus seiner Stimme spüre, was ihn bewegt."

11'48" O-Ton Jürgen Martschin (Dolmetscher): (dolmetscht)

"Das Parlament hat die heutige Diskussion...Diskussion des heutigen Morgens abgeschlossen, und hat den Professionalismus der Dolmetscher gewürdigt. Das zeigt, dass die Erweiterung kein Vorwand sein darf, um die Qualität der Dolmetscher zu verringern. Ganz im Gegenteil, dass dies ein Anreiz sein soll, die sprachliche und kulturelle Vielfalt Europas noch zu erhalten."

12'17" O-Ton Karin Jöns (Abgeordnete).

"Wir sind hier alle Europäer und Europäerinnen, und wir denken hier schon europäisch, und wir versuchen, über eine gemeinsame Sprache miteinander wirklich gemeinsam zu kommunizieren und uns nicht wieder auf irgendwelche nationale Aspekte zurückzuziehen."

Goethe-Institut 2003

 

 

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